Reform der Mittleren Leitungsebene

Den "Beschluss von Grundsätzen und Maßnahmen zur Stärkung und Neustrukturierung der Mittleren Ebene" hat Bischof Gebhard Fürst jetzt in Kraft gesetzt. Die Umsetzung soll bis spätestens Ende 2007 erfolgen. Mit dem Beschluss ist der ausführliche Konsultationsprozess abgeschlossen, in den die Dekanate ihre Vorstellungen und Anregungen für eine Umstrukturierung der Mittleren Ebene einbringen konnten. Dem Bischof zufolge wurde die Reform nicht als Projekt des Reduzierungsprozesses der Diözese gestartet, auch wenn man sich nach deren Umsetzung eine Kostenabsenkung um 800.000 Euro im Diözesanhaushalt bis 2010 erhofft. Indem die Zwischenebene der bisherigen zwölf Dekanatsverbände und damit eine gewisse Überstrukturierung mit zusätzlicher Gremien- und Sitzungsarbeit für Hauptberufliche und Ehrenamtliche abgebaut wird, sollen die Abläufe vereinfacht und effizienter werden.

Für die Dekanatsleitung zusammen mit dem Dekanatsrat wird es auf der Ebene eines einzigen Landkreises künftig besser möglich sein, kirchliche Schwerpunkte zu setzen und als Ansprechpartner etwa für die Bereiche Schule und Soziales zu fungieren. Mit der Vergrößerung der Dekanate wird die Leitung gestärkt - auch im Gegenüber zu den zuständigen Fachbereichen bei der inhaltlichen Ausrichtung der Fachdienste eines Dekanats. Solche Fachdienste sind das Jugendreferat, die Ehe- Familien- und Lebensberatung, die Erwachsenenbildung, die Betriebsseelsorge und die Kirchenmusik. Analog gilt dies auch für andere Einrichtungen im Dekanat wie die Jugend- und Familienpflege sowie für die zugeordneten Fachdienste des Schuldekanatamtes, das die Fachaufsicht über den Religionsunterricht ausübt, oder die Dienste der Caritas. Auch eine leichtere Kommunikation zwischen Diözesanleitung und der Mittleren Ebene soll mit der Verringerung der Zahl der Dekane und Aufhebung der Dekanatsverbände erreicht werden.

Die Unterscheidung in Stadt- und Landkreise wie beim Stadtkreis Ulm und dem Alb-Donau-Kreis oder dem Stadt- und Landkreis Heilbronn wird bei der Reform der Dekanate nicht berücksichtigt. So ist geplant, die Dekanate Ulm und Ehingen, Heilbronn und Neckarsulm, Esslingen und Nürtingen, Göppingen und Geislingen, Rottweil und Oberndorf, Reutlingen und Zwiefalten, Tuttlingen und Spaichingen sowie Waiblingen und Backnang zusammenzulegen. Von 16 Dekanaten werden jeweils vier zu einem Dekanat zusammengelegt. Es sind dies die Dekanate Biberach, Ochsenhausen, Laupheim und Riedlingen, die Dekanate Aalen, Ellwangen, Neresheim und Schwäbisch Gmünd, die Dekanate Leutkirch, Ravensburg, Waldsee und Wangen sowie die Dekanate Stuttgart-Bad Cannstatt, Stuttgart-Filder, Stuttgart-Nord und Stuttgart-Mitte. Unverändert in ihren bisherigen Grenzen bleiben 13 Dekanate, und zwar Balingen, Böblingen, Calw, Freudenstadt, Friedrichshafen, Heidenheim, Hohenlohe, Ludwigsburg, Mergentheim, Mühlacker (das zum Landkreis Pforzheim gehört), Rottenburg, Saulgau und Schwäbisch Hall.

Der bisherige Stellvertretende Dekan hat künftig einen eigenen Aufgabenbereich, der eine Querschnittsaufgabe oder auf eine bestimmte Region bezogen sein kann. Auch die Finanzierung des Dekanats durch Umlagen der Kirchengemeinden, die für die Sachkosten aufkommen, wird verbindlicher geregelt. Der Auflösung der bisherigen Dekanate muss noch formell die rechtliche Anhörung der Kirchengemeinden und des Kultusministeriums vorangehen. Mit der Auflösung endet die Amtszeit der bisherigen Dekane. Nach der Kirchengemeinderatswahl am 13. November und der Wahl des Dekanatsrates in den neu gebildeten Dekanaten wird ein neuer Dekan auf sieben Jahre gewählt.

Der Dekan, der die Leitung des Dekanats im Nebenamt wahrnimmt, ist verantwortlich für die gemeinsame Seelsorge eines Dekanats. Im Auftrag des Bischofs ist er zuständig für die Personalführung der Pfarrer und für die Durchführung der Visitationen der Kirchengemeinden, die er aber auch an den Stellvertretenden Dekan delegieren kann. Als Leitungsinstrument für die Personalführung wird das Mitarbeitergespräch mit dem Pfarrer verbindlich eingeführt. Für die pastoralen Mitarbeiter/innen in einer Seelsorgeeinheit hat weiterhin der Pfarrer die Verantwortung für die Personalführung. Bei Dekanatskonferenzen ist eine regionale Untergliederung unter der Leitung eines stellvertretenden Dekans möglich und wird für die großen Dekanate auch empfohlen. Damit soll gewährleistet werden, dass die Dekane bzw. ihre Stellvertreter über ihre direkte Zuständigkeit für die Pfarrer im Dekanat hinaus auch Kontakt zu den pastoralen Mitarbeitern haben.

Von der Katholikenzahl her größtes Dekanat ist künftig der Zusammenschluss im Ostalbkreis mit 173.000 Katholiken, gefolgt von den Zusammenschlüssen der Regionen Ravensburg (169.000), Stuttgart (148.000) und Biberach (126.000). Die kleinsten Dekanate sind jetzt Mühlacker mit 17.000 Katholiken und Mergentheim mit 19.000 Katholiken. Die drei größten Dekanate umfassen künftig über hundert Kirchengemeinden, im Zusammenschluss der Region Biberach sind es sogar 149 Gemeinden in 27 Seelsorgeeinheiten. Mit 1,98 Millionen Katholiken ist die Diözese Rottenburg-Stuttgart die viertgrößte in Deutschland. Das 1994 errichtete Bistum Görlitz hat 35.000, Dresden-Meißen 147.000 Katholiken.

Die jetzige Reform bildet den Abschluss einer ganzen Reihe von Maßnahmen der Neuordnung auf allen Ebenen. So wurde schon 1997 mit der Umstrukturierung Gemeindeebene begonnen, bei der die 1038 Kirchengemeinden – ohne ihre rechtliche Eigenständigkeit zu verlieren – in 284 Seelsorgeeinheiten zusammengefasst wurden. Zum 1. Juli diesen Jahres hat Bischof Fürst "Richtlinien für die Pastoral mit Katholiken anderer Muttersprache" erlassen, die Grundlage für die Errichtung von rund hundert muttersprachlichen Gemeinden in den nächsten Monaten sind, in der Regel auf Ebene der Seelsorgeeinheiten. Die bisherigen 54 ausländischen "Missionen", die gemeinde- oder dekanatsübergreifend angesiedelt waren und eine gewisse Doppelstruktur darstellten, werden zugunsten einer besseren Integration der in den Missionen betreuten 220.000 ausländischen Katholiken mittelfristig aufgelöst. Um die Ausgaben im Diözesanhaushalt bis 2010 um 35 Millionen Euro absenken zu können, wurde in den letzten Jahren ein umfangreicher Konsultationsprozess mit den Diözesangremien zur Festlegung von vorrangigen und weniger wichtigen Aufgaben durchgeführt. Die so gewonnenen "Pastoralen Prioritäten" wurden veröffentlicht unter dem Titel "Zeichen setzen in der Zeit".