Religion und Kunst dienen auf ihre Weise der Freiheit und dem Menschsein

Kunst und Religion beanspruchten jeweils eine eigene Autonomie für sich, sagte der Bischof. Kunst dürfe ebenso wenig religiös vereinnahmt werden, wie das Religiöse „in einer allumfassenden Ästhetik aufgelöst“ werden dürfe. Aber beiden, so Bischof Fürst, gehe es „um die Frage, was den Menschen zum Menschen macht“. Beide hätten die gemeinsame Aufgabe, „die Sinnfrage offen zu halten und damit der Freiheit und dem Menschsein zu dienen“.

Thomas Broch, Pressesprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart, wies in seiner Einführung darauf hin, dass sich Thümmrich in seiner Arbeit zu der Tradition des so genannten „Abstrakten Expressionismus“ bekenne, der vor allem in Amerika vertreten sei, aber entscheidende Impulse aus dem Spätwerk Claude Monets beziehe. In dieser Art des Malens gehe es um den Prozess das Malens selbst, um das immer Neue und Überraschende des kreativen Augenblicks. Deshalb spielten, so Broch, im Schaffen Tümmrichs auch „offene Serien“ eine wichtige Rolle, in denen ein Motiv immer neu variiert und abstrahiert werde. Daher sei ein Bild nie „fertig“; es sei immer das gerade jetzt vorliegende Ergebnis eines Gestaltungsprozesses und nach vorne offen. In diesem Sinn, so erläuterte Broch den Titel der Ausstellung, sei es „Symbol des gelebten Augenblicks“, aber auch Bild des menschlichen Lebens, das im gegenwärtigen Augenblick zwar immer Ergebnis einer Lebensgeschichte sei, aber zugleich nach vorne offen und daher nie „fertig“. Der Kunst, so zitierte Broch den Maler Paul Klee, gehe es nicht darum, Sichtbares abzubilden, sondern Unsichtbares Sichtbar zu machen. Deshalb gehe es auch bei den Bildern dieser Ausstellung nicht darum, was sie „darstellen“, sondern wichtig sei vor allem, welche eigenen Bilder und welches Nachdenken sie im Betrachter auslösten. Dies sei ein individuelles Geschehen. Auch in diesem Sinn würden die Bilder zu Symbolen des gelebten Augenblicks, sagte Broch.

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Michael Thümmrich, 1953 in Lörrach geboren und, nach einer Lehre als Schaufenstergestalter, in Basel als Grafiker ausgebildet, ist seit 1981 freiberuflich als Maler und Grafik-Designer in Freiburg tätig. Unter anderem arbeitet er seit fast zwei Jahrzehnten mit dem Deutschen Caritasverband und Mitgliedsorganisationen der Caritas zusammen, aber auch Berliner Ministerien und der Deutsche Bundestag stehen als Geschäftspartner auf seiner Referenzliste.

„Symbol des gelebten Augenblicks“
Michael Thümmrich
Malerei

Ausstellung von 20. Februar bis 31. März 2008
im Bischöflichen Ordinariat (2. OG), Eugen-Bolz-Platz 1, 72108 Rottenburg a. N.
Montag bis Freitag, 8 bis 12 Uhr, 13.30 bis 16 Uhr,
Samstag/Sonntag und außerhalb der Dienstzeiten nach Vereinbarung