Respektvolles Gespräch zwischen Kirche und Politik

Erzbischof Zollitsch das gemeinsame Ziel von Kirche und Staat im Blick auf das Wohl der Gesellschaft. Die Kirche sei nicht nur reine Lobbyistin, sondern habe eine Mitverantwortung für das Gelingen des Staates und wirke mit ihrer Ethik, ihrem sozialen Engagement und ihrem weltanschaulichen Bekenntnis tief in die Gesellschaft hinein. Dankbar erwähnte er in diesem Zusammenhang die gute Zusammenarbeit von Kirche und Staat im Bereich des Religionsunterrichts. Als aktuelle Themen für den Diskurs zwischen Kirche und Politik nannte Zollitsch unter anderem Ehe und Familie sowie das Recht auf Arbeit. So gehöre zur Vereinbarkeit von Beruf und Kindern eine „echte Wahlfreiheit“ der Eltern dazu, „wie sie die Erziehung ihrer Kinder ohne materielle Not und ohne Karriereknick bei der Rückkehr ins Berufsleben organisieren wollen“. Zollitsch äußerte zudem seine Sorge über eine zunehmende Ökonomisierung: „Ich hoffe, dass die Politik stark genug ist zu verhindern, dass sich die Schere zwischen arm und reich in unserem Land nicht noch weiter öffnet.“

Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst betonte in seinem Schlusswort, das Gespräch zwischen den Vertretern der beiden südwestdeutschen Diözesen und den Bundestagsabgeordneten aus Baden-Württemberg mache deutlich, dass Kirche und Politik über die Parteigrenzen hinweg ein respektvolles Gespräch miteinander führen wollten. Bei aller Unterschiedlichkeit der Meinungen gelte den Politikern die Wertschätzung der Kirche dafür, dass sie sich in schwierigen Zeiten unermüdlich engagierten, sagte Bischof Fürst. Der Rottenburger Bischof wies auf die Gefahr hin, dass der Mensch in unserer Gesellschaft immer mehr verdinglicht werde. Dies hänge mit Entwicklungen in der Biotechnologie, aber auch mit Wirtschaftsprozessen zusammen. Auch die wachsenden Probleme in der Pflege gäben Anlass zur Wachsamkeit. Das Humanum dürfe nicht beschädigt werden. „Der Mensch ist kein Ding“, betonte Bischof Fürst unter Berufung auf Erich Fromm. Fürst, der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz ist, wies außerdem darauf hin, dass durch die Gesetzmäßigkeiten der Medien die Demokratie Gefahr laufe, immer mehr zur „Schlagwortdemokratie“ zu werden. Dies erschwere differenzierte Meinungsbildungsprozesse zunehmend, sagte Bischof Fürst.