Rettende Kraft Gottes

Immer mehr Menschen würden spüren, „dass in der gegenwärtigen unsicheren und von Angst belasteten Zeit eine Flucht in Konsum, Besitz und Selbstherrlichkeit sie innerlich zu zerreißen droht“, sagte der Bischof in der Weihnachtsmesse am Sonntag im Stuttgarter Eberhardsdom. Die Weihnachtsbotschaft von der Geburt des Gotteskindes in der Krippe sei „eine wirklich heilsame Antwort auf die suchende Unruhe des Menschen unserer Tage“.

Gott habe sich in Jesus den Menschen von der Krippe bis zum Kreuz solidarisch erwiesen, betonte Bischof Fürst. Diese barmherzige Selbsthingabe im Mensch gewordenen Gottessohn berge die Kraft, Menschen zu befreien und ihnen den Weg zur wahren Erfüllung ihres Lebens eröffnen. Die im Leben Jesu erfahrbar gewordene Barmherzigkeit Gottes könne den Menschen als Vorbild und Impuls für eigene Lebenspraxis auch unter schwierigen Bedingungen dienen. Das bedeute, ganz da zu sein für Menschen „und sich nicht stören zu lassen von gegenläufigen Mächten – auch wenn es was kostet“. Eine solche Lebenshaltung befähige den einzelnen Christen zu einem befreienden Glaubenszeugnis und könne auch die Kirche insgesamt als „Rettungsgemeinschaft“ für Bedrohte, Gestrandete und im Leben Gescheiterte erfahrbar werden lassen.

Dies könne sich dort ereignen, so der Bischof, wo „Zeit zum Hören“ verschenkt und selbstlos Anteil genommen werde an der Freude und Hoffnung, der Trauer und Angst vieler Menschen. Wenn die Kirche auf diese liebevolle und fürsorgliche Weise bei der Sache Gottes und beim Herzensanliegen Jesu sei, dann könne sie als Gemeinschaft der Gottglaubenden glaubwürdig eintreten für die Menschen, für deren Rechte und Freiheit sowie „für die Unversehrtheit ihrer Menschenwürde, die heute durch vielerlei Mechanismen schwer bedroht ist“.