„Ringen um Teilhabe“

Er verbrachte in der Ostalb-Metropole einen ganzen Tag mit Arbeitslosen. Viele von Arbeitslosigkeit betroffene Menschen seien psychisch oder physisch geschwächt, betonte Bischof Fürst. Sie verdienten es, gestärkt und in ihrer Würde als Mitmenschen voll anerkannt zu werden. Die Kirche habe einen besonderen Auftrag, unter hohen Belastungen leidende und auf dem konventionellen Arbeitsmarkt nicht vermittelbare Menschen zu beachten und zu achten. Besonders in einem Landkreis wie Aalen, in dem derzeit die Konjunktur ausgezeichnet floriere und die Arbeitslosenquote bei relativ niedrigen 3,8 Prozent liege, müssten Arbeitslose besonders unter ihrem Schicksal leiden. „Sie fühlen sich in Zeiten guter Arbeitsmarktlage noch stärker an den Rand gedrängt und gebrandmarkt“, so der Bischof.

Er lobte das Bestreben von Betriebsseelsorge und Caritasverband in Aalen, Arbeitslose zu stärken und nach Möglichkeit in der Arbeitswelt zu integrieren. Unerkannt von den Bewohnern beteiligte sich der Bischof an einer Wohnungsräumung, für die die 2000 gegründete Jobbörse der Betriebsseelsorge den Auftrag erhalten hatte. Auch bewarb er sich bei den Diensthabenden der Jobbörse um Aufnahme in die Mitarbeiterdatei. Rund 60 arbeitslose Menschen sind dort registriert, von denen ein Teil für Einsätze in Haus und Garten für acht Euro Stundenlohn angefordert werden kann. Dienstags, mittwochs und donnerstags ist die Jobbörse geöffnet und wird von Arbeitslosen organisiert. Zum Konzept der Jobbörse gehören zudem Treffen, jährliche Bildungsfahrten, Ausflüge und andere Freizeitangebote. Im vergangenen Jahr kamen laut Betriebsseelsorger Dr. Rolf Siedler für die Jobbörse über 800 Aufträge mit einem Volumen von rund 3. 000 Stunden zusammen.

Bei einem Rundgang durch das Kaufhaus der Caritas, in dem der katholische Sozialverband Bedürftigen Möbel und Kleidung aus Haushaltsauflösungen günstig abgibt, forderte Bischof Fürst ein entschiedenes Eintreten der Kirche für die auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelbaren Menschen. „Es wird auch bei glänzender Konjunktur immer Menschen geben, die den Druck am normalen Arbeitsplatz nicht aushalten“, sagte der Bischof. Er warnte davor, in Zeiten guter Konjunktur die Schwachen zu vergessen. „An der Seite der Arbeitslosen und der geringfügig Beschäftigten sind Christen gut aufgehoben.“ Arbeitslose seien Menschen, deren Schicksal jeweils ganz unterschiedliche Ursachen habe. „Allen aber ist gemein, dass sie im Leben nicht das Glück auf ihrer Seite haben.“ Er wisse, sagte der Bischof, dass viele, die auf der Sonnenseite des Lebens stehen, aus Dankbarkeit auch Projekte der Betriebsseelsorge großzügig unterstützen. „Diesen Menschen danke ich von Herzen“, versicherte Bischof Fürst.