Sachkundig und behutsam Hand anlegen

Bei einem Besuch im Atelier der Landesdenkmalpflege informierte sich Bischof Gebhard Fürst am Donnerstag über den Zustand des Bildes und über den Fortschritt der Sanierung. Mehrmals in seiner 500-jährigen Geschichte wurde das Madonnenbild saniert, zuletzt von 1926 bis 1930 durch die Stuttgarter Staatsgalerie. Ein großes Publikum konnte das Bild aus einem so genannten Schneewunder-Altar, das neben dem Isenheimer Altar zu Grünewalds Hauptwerken zählt und sonst seinen Platz in der Kirche im Bad Mergentheimer Stadtteil Stuppach hat, zuletzt in der Madonnen-Ausstellung in Dresden sehen.

Bischof Fürst zollte den Restauratorinnen und den Experten der Denkmalpflege für deren Arbeit Respekt. Mit hochmodernen Analysemethoden wie Infrarottechnik, Röntgenfotografie und Scan-Dokumentation verschafften sie sich seit Januar einen Überblick über den Zustand des Bildes. Dabei zeigten sich massive Übermalungen, Retuschen und Kittungen vor allem aus dem 19. Jahrhundert. Sein Interesse sei, sagte der Bischof, das Bild so zu restaurieren, dass es die Aussage Grünewalds optimal wiedergebe. Hauptaufgabe derzeit ist, zu kräftige Übermalungen und Kittungen behutsam zu reduzieren. Dies ist nicht an jeder Stelle möglich. So lässt sich der links oben im Bild ursprünglich vom Meister dargestellte Christus als Weltenrichter nicht mehr rekonstruieren. Restaurator Tettenborn von der Staatsgalerie hatte ein Gottvater-Motiv an diese Stelle gemalt – sie wird so bleiben.

Der Bischof zeigte sich berührt von dem zwischen 1515 und 1517 geschaffenen Madonnenbild, das Grünewald nach entsprechender Rötel-Vorzeichnung malte und doch immer wieder vom ursprünglichen Plan abwich. „Dieses Bild mit seinen vielen Symbolen in Form von Pflanzen, Früchten, Farben und Formen ist ein starkes Glaubenszeugnis von bleibendem Wert“, sagte der Bischof. Es werde am 25. November restauriert seinen Platz wieder in ihrer Stuppacher Heimat sein. Es werde wieder allen Menschen zugänglich sein in einer dann klimatisch geschützten Kapelle; zudem würden Info-Materialien bereitgestellt für Führungen.

Rund 200.000 Euro kostet den Experten zufolge die Sanierung des berühmten Bildes, deren Kosten sich Diözese, Landesdenkmalpflege und Deutsche Stiftung Denkmalschutz teilen. Weitere Kosten entstehen durch die Sanierung der Kapelle in Stuppach, die von der Diözese getragen werden. In den nächsten Wochen müssen die Fachleute die nächsten Schritte diskutieren. So müssen sie entscheiden, ob ein Firniss aufgebracht wird, wenn ja wie viel davon und ob das Werk hinter einem Spezialglas geschützt sein wird. Bisher hatte es in der Stuppacher Kirche keinerlei Schutz vor Klimaeinflüssen. „Dafür ist es in einem erstaunlich guten Zustand“, versichern die Fachleute in Esslingen.

Uwe Renz