Schulbildung per Radio – eine Pionierleistung der Kirche in Guatemala

Sie nehmen den Stand der dortigen Partnerschaftsprojekte vor Ort in Augenschein und sprechen über Weiterentwicklungen. Zur Kirche in Guatemala unterhält die Diözese Rottenburg-Stuttgart lange und intensive Beziehungen. Seit Beginn der 1970-er Jahre unterstützt die württembergische Diözese die Schwesterdiözesen in dem zentralamerikanischen Land, fünf Priester aus dem Schwäbischen wurden dorthin entsandt – zwei davon sind heute dort tätig, ein dritter, Karl Stetter, ist inzwischen Bischof in Bolivien.

Einen thematischen Schwerpunkt der Reise stellen die Bildungsmaßnahmen der guatemaltekischen Kirche über Radiosendungen dar. „Ich freue mich darauf, das über Radio organisierte Bildungssystem kennen zu lernen, das dank kirchlicher Initiative in Guatemala in einer vorbildlichen Pionierleistung aufgebaut wurde und das besonders der ländlichen Bevölkerung und den Armen zugute kommt“, betonte Heinz Detlef Stäps vor Antritt der Reise. Dieses System verbindet sich mit dem Namenskürzel IGER (Instituto Guatemalteco de Educación Radiofónica). Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden zentral erarbeitete schriftliche Lernmaterialien zur Verfügung gestellt und zu festgelegten Sendezeiten über kirchliche und andere Rundfunksender vertieft. So genannte, ehrenamtlich tätige Orientierungslehrer treffen sich einmal wöchentlich mit den Lerngruppen ihrer Region. Auf diese Weise kann eine Schulausbildung bis zum staatlich anerkannten Abitur absolviert werden. Daneben bietet IGER auch Programme zur Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements an; besonderer Wert wird auch auf die Ausbildung und Weiterqualifizierung der Orientierungslehrer gelegt.

Gegründet wurde IGER 1973 durch den deutschen Jesuitenpater Franz von Tattenbach, um angesichts des völlig unzureichenden Schulsystems des Landes der armen Bevölkerung Zugang zu Bildungsabschlüssen und qualifizierten Berufen zu erschließen. Aus der Heimat wird das Radio-Bildungsinstitut bis heute durch zwei diözesane Stiftungen unterstützt, deren Vorstand Domkapitular Heinz-Detlef Stäps ist. Die Stiftung „El Maestro en Casa“ („Der Lehrer zuhause“), die auf eine Initiative des damaligen Rottenburger Bischofs Kardinal Walter Kasper zurückgeht, und die Stiftung „Pater Franz-von-Tattenbach“ wurden beide lange Zeit betreut von der 2010 verstorbenen Rottenburger Studiendirektorin im kirchlichen Dienst Gabriele Miller. Bei der jetzt anstehenden Reise besucht die Rottenburger Delegation sowohl die Zentrale von IGER in Guatemala-City als auch verschiedene ländliche Außenstellen, wo sie auch mit Gruppen von Schülerinnen und Schülern von IGER zusammentrifft.

Auch Begegnungen mit einigen guatemaltekischen Bischöfen stehen auf dem Besuchsprogramm der Gäste aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart, so etwa mit Medienbischof Alvaro Ramazzini und mit Bischof Rosolino Bianchetti. Dieser ist Vorstand der Stiftung „Paz y Reconciliación“ („Friede und Versöhnung“), mit der die Bischöfe des Landes die kirchlichen Radiosender unterstützen. Auf der Tagesordnung stehen Überlegungen, wie die Weiterentwicklung der Sender und ihrer Bildungsprogramme unterstützt werden kann.

Nicht zuletzt besucht die Delegation aus Schwaben auch die beiden derzeit in Guatemala tätigen Diözesanpriester Robert Hörberg, Gemeindepfarrer in San Rafael Pie de la Cuesta in der Diözese San Marcos, und Peter Mettenleiter in Cabricán in der Erzdiözese Los Altos. Mettenleiter ist zwar seit 1998 pensioniert, unterstützt aber insbesondere über den Verein „Padre Pedro Guatemala Hilfe“ weiterhin Gemeinde-, Schul- und Siedlungsprojekte in der Diözese San Marcos.

Nach einem Gespräch mit dem deutschen Botschafter in Guatemala, Thomas Schäfer, tritt die Rottenburger Delegation um die Mittagszeit des 1. März wieder die Rückreise an.

Dr. Thomas Broch