Schule als Ort der Selbstbildung gestalten

Rund 250 Religionslehrerinnen und Religionslehrer aus der ganzen Diözese hatten sich zu dem jährlich stattfindenden Treffen mit Bischof Gebhard Fürst eingefunden, das von der Hauptabteilung Schule des Bischöflichen Ordinariats vorbereitet worden war. In Fachbeiträgen, einem Podiumsgespräch und 18 Foren konnten die Teilnehmer Beispiele von Schulprofilen und Modelle des Zusammenwirkens von Religionsunterricht und Schulkultur kennen lernen. Darauf wies Magdalena Seeliger, Leiterin der Hautabteilung Schulen, in ihrer Begrüßung hin. Die Rottenburger Ordinariatsrätin bescheinigte dem Bischof, dass er dem schulischen Religionsunterricht und der Schulpastoral große Bedeutung zumesse. Bei der ebenfalls anwesenden Schulpräsidentin im Regierungsbezirk Tübingen, Susanne Pacher, bedankte sie sich für die gute Zusammenarbeit in der gemeinsamen Verantwortung für den Religionsunterricht, der eine „res mixta“, eine gemischte Angelegenheit zwischen Staat und Kirche sei.

Allen Gutes tun und einem jeden die eigene Verantwortung lassen

Bischof Fürst wies in einem Impulsreferat darauf hin, dass das Zweite Vatikanische Konzil den Zusammenhang zwischen dem Religionsunterricht und der gelebten Kultur einer Schule insgesamt deutlich herausgestellt habe. In dem Konzilstext über die christliche Erziehung werde die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten, des Urteilsvermögens junger Menschen und ihre Einführung in das kulturelle Erbe ebenso betont wie die Aufgabe der Schule, „freundschaftliches Zusammenleben“ zu fördern und so die „Grundlage für gegenseitiges Verständnis“ zu schaffen. Wegweisend, so der Bischof, sei ein Wort des Konzilspapstes Johannes XXIII.: „Allen Gutes tun und einem jeden die eigene Verantwortung lassen.“ In mehrfacher Hinsicht leisteten Religionslehrerinnen und Religionslehrer Gutes für jungen Menschen, besonders, indem sie Erziehung und Bildung „nach dem christlichen Menschenbild ausrichten und ihre Schüler mit solchen christlich geprägten Augen sehen“. Dieses Bemühen bleibe nicht an den Türen des Klassenraums und an den Toren der Schule stehen. Wenn es gelinge, pädagogische Prozesse nach dem christlichen Bild vom Menschen zu formen, präge dies die Schule insgesamt und tue allen gut. Es verändere das Miteinander und helfe der Schule, sich so zu entwickeln, „dass das Gute wächst und mit ihm die Freude am Guten“, unterstrich Bischof Fürst. Das christliche Menschenbild beinhalte aber auch, „groß vom Menschen zu denken“ und ihm „Möglichkeiten des Wachsens und der Entwicklung zuzutrauen“. Die Verantwortung für den Zusammenhang von „Religionsunterricht und Schulkultur“ komme in unterschiedlicher Weise Politikern, der Schulverwaltung und den Schulleitungen, den Verantwortlichen der Kirche, den Religionslehrerinnen und Religionslehrern, den Eltern und nicht zuletzt den Kindern und Jugendlichen selbst zu. Auch die jungen Menschen, so Bischof Fürst, hätten eine Verantwortung „für die eigene menschliche, geistige und religiöse Reifung“. Den Religionslehrerinnen und –lehrern dankte der Bischof für ihr „in der Öffentlichkeit oft nicht gewürdigtes, ja oft verkanntes Engagement“ und für ihren „hohen ideellen, persönlichen und zeitlichen Einsatz“ für junge Menschen.

Glaubenszeugen, nicht Berichterstatter

Beim abschließenden Gottesdienst des Religionslehrertags betonte Bischof Gebhard Fürst, Kinder und Jugendliche bräuchten „keine Verdoppelung ihrer Resignation und Hoffnungslosigkeit“, sondern „dringend das Zeugnis unserer gelebten Hoffnung“. Die Sehnsucht junger Menschen nach dem „lebensschaffenden, erlösenden Wort“ der christlichen Botschaft verberge sich manchmal „unter dem Schein von Desinteresse und vermeintlicher Coolness“. Die Botschaft müsse geduldig und „liebevoll werbend“ sein und manchmal auf den richtigen Augenblick des Gesprächs warten können. Es gehe auch darum, betonte der Bischof vor den Religionslehrern, dass christliche Verkündigung immer etwas mit dem eigenen Leben dessen zu tun habe, der für sie eintrete. Es gebe einen „entscheidenden Unterschied zwischen einem Glaubenszeugen und einem Berichterstatter“. Manchmal bedürfe es der „lästigen Erinnerung“ daran, wofür die Kirche stehe. Der christliche Glaube dürfe weder verschwiegen noch opportunistisch angepasst werden. „Er darf weder selbstgenügsam noch fundamentalistisch werden“, sagte Bischof Fürst.

Schule als Lebensraum und als Ort der Selbstbildung

Susanne Pacher, Abteilungsdirektorin im Regierungspräsidium und Schulpräsidentin im Regierungsbezirk Tübingen, wies in einem Grußwort darauf hin, dass über den Religionsunterricht hinaus der Bildungsauftrag als solcher dem Staat und der Kirche eine gemeinsame Verantwortung zuweise. Mit Bezug auf den mittelalterlichen Philosophen und Mystiker Meister Eckhart betonte sie, Bildung solle „dem Menschen ermöglichen, der zu werden, der er immer schon von Gott her ist“. In einem ganzheitlichen Sinn, so Pacher, rücke der Bildungsplan die persönliche Bildung, die praktische Bildung sowie die politische Bildung in den Blick. Es sei die zentrale Aufgabe der Schule, „den jungen Menschen in einem umfassenden Prozess der Menschwerdung zu unterstützen und zu begleiten“. Deshalb dürfe Schule nicht nur als Ort des Lernens erlebt werden, sondern müsse als Lebensraum und als Ort der Selbstbildung verstanden und gestaltet werden. Das Tagungsthema „Religionsunterricht und Schulkultur“ rücke diese wichtige Aufgabe der Schule in den Blickpunkt, betonte die Schulpräsidentin.