Schule menschennah und zukunftsfähig gestalten

Dies hat Bischof Gebhard Fürst den fast 200 Teilnehmenden bescheinigt, die am Samstag, 7. Mai, zu einem Religionslehrertag ins hohenlohische Bildungshaus Kloster Schöntal gekommen waren. An dem Treffen unter dem Thema „Schule zukunftsfähig und menschennah gestalten“ nahmen neben dem Bischof auch Schulpräsident Heinz Eberspächer vom Regierungspräsidium Stuttgart und der Bonner Religionspädagogikprofessor Reinhold Boschki als Referenten teil.

Kein anderes Fach als die Religionslehre setze sich mit den Schülern über Fragen „nach dem letzten Wovonher und Woraufhin unseres Denkens“ und nach einem „letzten Wert und Würde gebenden Prinzip“ auseinander, sagte Bischof Fürst. Damit leisteten sie einen unverzichtbaren, wenn auch manchmal harten Dienst an jungen Menschen und am Menschenbild der Gesellschaft. Die aktuelle Diskussion um die Beurteilung der Tötung von Osama bin Laden zeige, dass gerade Kinder und Jugendliche mit solchen Fragen sonst häufig alleine gelassen werden.

Religionspädagoginnen und –pädagogen stünden für ein Verständnis für Bildung, die mehr als Ausbildung sei und die Freiheit junger Menschen ernst nehme, so der Bischof weiter. Bildung sei Selbstbildung, und nur ein „in Freiheit gesetzter Mensch“ könne seine Fähigkeiten und Begabungen entfalten. Das bedeute auch, dass im Alltag des schulischen Miteinander die Würde jedes Einzelnen geachtet werde. Dies könne in einem Leistungssystem wie der Schule leicht vergessen werden. Das Wort für die praktische Seite dieser Haltung heiße Nächstenliebe. Das bedeute: „Ohne Gerechtigkeit und ohne Solidarität geht es nicht, denn ohne sie wäre Schule nicht menschlich und auch nicht zukunftsfähig“. Die fundamentalen Eckpunkte Freiheit und Würde, Gerechtigkeit und Solidarität, die auch das Grundgesetz und die baden-württembergische Landesverfassung nachhaltig geprägt hätten, seien eine Konsequenz aus dem christlichen Bild vom Menschen, betonte Bischof Fürst.

Zu einem angstfreien Glauben ermutigte Bischof Gebhard Fürst beim Gottesdienst zum Abschluss der Veranstaltung seine Zuhörer. Angesichts aktueller Katastrophen, persönlicher Unsicherheiten und auch der Krisenerfahrungen in der Kirche stellten sich bisweilen apokalyptische Stimmungen ein. Angst komme von Enge, und wer eng sei, könne nicht frei denken und nicht vertrauen. Glaube befreie von Angst. Es gebe einen tiefen Halt und eine tiefe Geborgenheit in Gott. Dies gelte, obwohl Christen weder über Gott noch über den Glauben verfügten, ja gerade weil sie über beides nicht verfügten, betonte der Bischof.

Dr. Thomas Broch