Schwäbische Diözese weltweit vernetzt

Rottenburg/Stuttgart. 30. Juni 2017. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart gilt unter allen in Deutschland nach der Erzdiözese Köln als jene mit den meisten Projekten der Entwicklungszusammenarbeit. Vor 50 Jahren begann diese Arbeit als Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils. Am Wochenende wird das Jubiläum in Rottenburg unter dem Motto „Eine.Welt.Kirche“ mit internationalen Gästen gefeiert.

Heute pflegt die württembergische Diözese Kontakte mit Partnerdiözesen in über 80 Ländern in Afrika, Lateinamerika, Asien und Osteuropa. Allein über die Hauptabteilung Weltkirche und deren Vorläuferinstitute sind im vergangenen halben Jahrhundert rund 285 Millionen Euro in Partnerschaftsprojekte geflossen. Nicht eingerechnet sind dabei 242 Millionen Euro diözesane Kirchensteuermittel für die weltkirchliche Arbeit der katholischen Kirche in Deutschland – allein im vergangenen Jahr 66 Millionen Euro – sowie die Kollekten aus den Kirchengemeinden. Für die vergangenen 50 Jahre weist die Bilanz damit eine gesamte finanzielle Transferleistung von über einer Milliarde Euro aus. 576 Kirchengemeinden unterhalten direkte Kontakte nach Übersee und Osteuropa mit insgesamt rund 1.000 Solidarprojekten (Stand Ende 2016).

Bischof Gebhard Fürst erinnerte vor Journalisten in Stuttgart an die Gründungsphase der heutigen Hauptabteilung Weltkirche und hob die Verdienste seines Vorgängers Bischof Carl Joseph Leiprecht sowie des ersten Leiters des damaligen Referats Weltkirche, Eberhard Mühlbacher, hervor. In 50 Jahren habe die Diözese Rottenburg-Stuttgart ein neues weltkirchliches Bewusstsein entwickelt. Weltkirche sei nicht irgendwo im Ausland oder in den sogenannten Missionen, betonte der Bischof. „Weltkirche ist überall da, wo Menschen an Jesus Christus glauben, auf ihn hoffen und nach seinem Vorbild das Leben zu gestalten versuchen.“ Im Motto „Eine.Welt.Kirche“ verberge sich die Frage: „Was ist heute unser Auftrag als weltweite Kirche und damit auch als Ortskirche von Rottenburg-Stuttgart in einer irreversibel sich globalisierenden und immer mehr aus den Fugen geratenden Welt?“

Der Leiter der Hauptabteilung Weltkirche, Domkapitular Heinz Detlef Stäps, sagte, die Diözese Rottenburg-Stuttgart erhalte jedes Jahr mehr als 1.200 Projektanträge. Die Mittel würden nach Kriterien wie Partnerschaftlichkeit und Nachhaltigkeit vergeben, die in „guidelines“ fixiert sind. Die Projekte würden im Dialog mit Partnern entwickelt und nach Fachstandards umgesetzt. So seien im vergangenen Jahr 30 Prozent der Mittel der Flüchtlingshilfe gewidmet worden, je 20 Prozent kirchlichen Infrastrukturmaßnahmen und Bildungsarbeit sowie je rund 8 Prozent der Gesundheits- und Sozialarbeit, 7 Prozent der Existenzsicherung von Personal vor Ort und 6 Prozent der Förderung Erneuerbarer Energien.

Damit habe sich in 50 Jahren ein Perspektivwechsel ergeben, betonte der Domkapitular. Am Anfang der weltkirchlichen Arbeit der württembergischen Diözese sei der Aufbau von Seelsorgestrukturen im Vordergrund gestanden. Heute liegt Stäps zufolge der Schwerpunkt auf den Bereichen Bildung, Gesundheitswesen, Sozialstruktur, Klimaschutz und schonender Umgang mit Energieressourcen. Seit 2015 nehme zudem die Bekämpfung von Fluchtursachen und die Verbesserung von Bleibeperspektiven in Kriegs- und Krisengebieten einen beträchtlichen Anteil ein.

Stäps verwies auf nach wie vor großes Interesse junger Menschen an Fragen der Entwicklungspolitik. So hätten allein in den vergangenen beiden Jahren 62 junge Erwachsene einen 13monatigen Einsatz in Übersee oder Osteuropa in dem seit 1983 bestehenden Weltkirchlichen Friedensdienst der Diözese absolviert. Doch auch aus Partnerländern kommen junge Leute ins Schwäbische: Im so genannten Reverse-Programm sammelten in 2015/16 und 2016/17 insgesamt 18 junge Leute aus Lateinamerika hierzulande Erfahrungen. Stäps lenkte den Blick auch auf die „klassische“ Missionsarbeit. Im vergangenen Jahr hätten 143 Missionarinnen und Missionare aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart in 42 Ländern gearbeitet. Den Archiven zufolge waren es 1974 noch fast 800 in 46 Ländern weltweit.

Matthew Gyamfi, Bischof der ghanaischen Diözese Sunyani, dankte im Pressegespräch der Diözese Rottenburg-Stuttgart für deren weltkirchliches Engagement und gratulierte zum Jubiläum. Auch im Namen von Gabriel Anokye, Erzbischof der ghanaischen Diözese Kumasi und ebenfalls Gast bei der Jubiläumsfeier, sagte Gyamfi, die vielen größeren und kleineren Hilfen aus Rottenburg-Stuttgart über lange Zeit hätten unzähligen Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern Lebensperspektiven eröffnet. „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte Gyamfi. Es sei ein großartiger Entschluss der württembergischen Diözese gewesen, vor 50 Jahren sich nicht auf ihre eigenen Grenzen zu beschränken, sondern ein weltweites Netz der Hilfe und Solidarität aufzubauen.

An die Redaktionen: Zur Berichterstattung in Wort, Bild und Ton über die Jubiläumsfeiern in Rottenburg sind Sie herzlich eingeladen.

  • Programmflyer Eine.Welt.Kirche – 50 Jahre weltkirchliche Solidarität in der Diözese Rottenburg-Stuttgart
    Hinweis: Der im Programm genannte ghanaische Kardinal Turkson kann nicht teilnehmen.
  • Initiativen: 50 Jahre weltkirchliche Solidarität