„Schwerer Eingriff in die Religionsfreiheit“

Das am 27. Juni vom Kölner Landgericht ergangene Urteil sei ein „schwerwiegender Eingriff in die Religionsfreiheit“, schreibt der Bischof in einem am Dienstag abgesendeten Brief, der auch an muslimische Repräsentanten gerichtet ist. Die Beschneidung von Jungen stelle im Judentum eine religiöse Pflicht dar, drücke die Zugehörigkeit zum jüdischen Volk aus und sei vor allem das Zeichen schlechthin des Bundes Gottes mit den Menschen, heißt es im Brief.

Bischof Fürst schloss sich der Position des Aachener Bischofs Heinrich Mussinghoff an, der in der Bischofskonferenz für die religiösen Beziehungen zum Judentum zuständig ist. Er hatte das Kölner Urteil als befremdlich bezeichnet. Bischof Fürst kritisiert in seinem Brief, die Richter hätten die religiöse Dimension der Beschneidung außer Acht gelassen. Die jüdische Beschneidungspraxis schränke weder Kindeswohl noch Religionsfreiheit ein, so der Bischof. Schon gar nicht dürfe die Beschneidung von Jungen mit der in manchen Ländern verbreiteten Genitalverstümmelung von Mädchen auf eine Ebene gesetzt werden. Letztere sei selbstverständlich zu verurteilen; sie solle lediglich das Sexualempfinden mindern und entspringe fragwürdigen Gottes- und Menschenbildern. „Als katholischer Bischof teile ich Ihre Sorge und sehe im vorliegenden Urteil ebenso eine Anfrage an die freie Religionsausübung in unserem Land wie Sie“, schließt Bischof Fürst seinen Brief.

Uwe Renz