Diakonat

Seelsorge ermöglicht Begegnung

Das Diakonie-Klinikum in Stuttgart. Bild: Zeitschrift "Auge und Ohr"

Bild: Zeitschrift „Auge und Ohr“

Diakon Franz-Josef Scholz berichtet von seiner Arbeit als Klinikseelsorger in Diakonie-Klinikum und Charlottenklinik Stuttgart in Coronazeiten.

“Nicht die Arbeit an sich hat sich verändert – Corona hat die Rahmenbedingungen verändert.” Das sagt Diakon Franz-Josef Scholz. Er berichtet von seiner Arbeit  als Klinikseelsorger im Diakonie-Klinikum und in der Charlottenklinik Stuttgart in Coronazeiten:

Zunächst einmal: meine Tätigkeit als Seelsorger in zwei Kliniken in Stuttgart ist „normal“ weitergegangen. Das ist die wichtigste Erfahrung für mich aus der Klinikseelsorge im Kontext der Pandemie: Das Coronavirus hat die seelsorgliche Arbeit nicht verunmöglicht. Ich habe Menschen besucht, die krank sind und Menschen im Sterben begleitet, mit und ohne Angehörigen, wie vor Corona auch. Ich habe mit Menschen gebetet und gesungen, mit ihnen die Kommunion gefeiert, habe mit Mitarbeitenden Kontakt gehalten, Gottesdienste und Andachten gefeiert.

Ein wichtiges Fazit bisher ist also: nicht die Arbeit an sich hat sich verändert – Corona hat die Rahmenbedingungen verändert. Am Anfang der Pandemie war viel Unsicherheit und Ungewissheit bei allen spürbar. Hygiene nahm großen Raum ein, Stationen wurden umorganisiert, Teams neu zusammengestellt. Im Team der Seelsorge haben wir uns aufgeteilt und abgestimmt: wer schwerkranke Krebspatienten betreut, der geht nicht zu Covid-Patienten. Zweimal wurden wir Seelsorgende um eine Segensfeier für die Teams auf den Covid-Stationen angefragt. Die Geschäftsführung informierte am Anfang täglich, dann im wöchentlichen Turnus über die aktuelle Lage und die geplanten Schritte und Veränderungen. Das hat Transparenz geschaffen und Sicherheit vermittelt.

Was hat sich durch und mit Corona verändert?

Eine kurze Zeit haben wir keine Präsenzgottesdienste in der Kapelle gefeiert, sondern sie aus der Kapelle bzw. der benachbarten Mutterhauskirche per Audio in die Patientenzimmer übertragen. Dann haben wir die sonntäglichen Gottesdienste wieder in der Kapelle angeboten, mit einem Hygienekonzept (Abstand, Desinfektion, Lüften…). Seit Mitte letzten Jahres feiern wir – durch Corona inspiriert – einen zusätzlichen Gottesdienst jeden Sonntag: eigens für die Patient*innen der Psychosomatischen Klinik, die (als Kohortengemeinschaft) nicht am regulären Gottesdienst teilnehmen können.

Das Besuchsverbot bzw. die Einschränkung von Besuchen der Angehörigen war und ist eine große Herausforderung. Nicht für alle: Es gibt viele Patienten, die nur kurz da sind und die damit gut zurechtkommen. Über Telefon und Internet halten sie Kontakt zu den Angehörigen. Für manche Patient*innen war und ist das Besuchsverbot eine große Herausforderung: alleinstehende oder ältere Menschen, die nicht gut allein sein können; da ist es wichtig, mit den Ärzten und der Pflege zusammen eine machbare Besuchsregelung für Angehörige oder Freund*innen zu ermöglichen. Das Besuchsverbot hat bewirkt, dass sich vermehrt Angehörige und auch Pfarrer aus Gemeinden für Patient*innen im Krankenhaus einsetzen: per Telefon werden wir auf Patienten hingewiesen und manches Mal gebeten, ein Gebet oder eine Kommunionfeier zu ermöglichen. Wir können die Angehörigen nicht ersetzen, aber wir können stellvertretend für sie da sein. So trägt Seelsorge dazu bei, das unter erschwerten Bedingungen Begegnung möglich ist.

Was gibt mir Kraft für diese Arbeit in der Corona-Krise?

Mein Glaube an Gott, der die Liebe ist, ist mir Kraftquelle für mein Leben und mein Arbeiten. Und das trägt und bewegt mich auch jetzt in dieser Pandemie-Krise mit ihren Anforderungen. Gott als mein Seinsgrund und der Grund der ganzen Schöpfung: er ist nicht auf Abstand gegangen, auch wenn wir Menschen durch den Virus körperlichen Abstand als unseren Schutz benötigen. Gott ist und bleibt da, so wie es uns in seinem biblischen Namen „Ich bin, der ich bin da.“ verheißen ist.

Das gute Zusammenarbeiten im ökumenischen Team, dass ich hier erleben und mitgestalten kann: es stärkt und macht Mut, es entlastet und tröstet, so gleichberechtigt, auf Augenhöhe, vertrauensvoll und kollegial, einander wertschätzend gemeinsam für Menschen und füreinander da zu sein. Ein echt diakonisches Tun. So können wir erleben und erfahren: „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim 1,7).

Franz-Josef Scholz, Diakon

Klinikseelsorger im Diakonie-Klinikum und in der Charlottenklinik Stuttgart

Der Artikel ist entnommen aus dem Heft „Auge und Ohr“, der Zeitschrift des Rats der Ständigen Diakone in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Rottenburg, 2021. Das ganze Heft ist kostenlos zu beziehen unter expedition-drs.de.

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