Seit 1.200 Jahren offiziell Heiligen-Gedenktag

Der 15. August, im Saarland und in weiten Teilen Bayerns heute gesetzlicher Feiertag, ist in diesem Jahr mit einem besonderen Jubiläum verbunden: Vor genau 1.200 Jahren wurde der Festtag Mariä Himmelfahrt offiziell in Deutschland eingeführt, seit der Mainzer Synode im Jahr 813 ist dieser Tag im sogenannten Generalkalender zu finden, dem offiziellen liturgischen Kalender der römisch-katholischen Kirche.

Was sich damals tatsächlich in Jerusalem ereignet hat, ist nur schwer zu belegen, denn die Bibel erwähnt nichts von der Aufnahme Mariens in den Himmel. Doch reicht die Tradition dieses Gedenktages bis ins frühe Mittelalter zurück: Feierlichkeiten zu Mariä Himmelfahrt sind aus der Ostkirche bereits um das Jahr 600 überliefert. Aus dem fünften Jahrhundert ist ein in Griechisch verfasster Quellentext („Transitus beatae Mariae“) bekannt, der dem Apostel Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu, zugeschrieben wird. Dieser berichtet davon, dass Christus mit allen Engeln aus dem Himmel kommt als die Jünger um das Sterbelager Marias versammelt waren, um die - meist als kleines Kind dargestellte - Seele seiner Mutter in seinen Armen in den Himmel aufzunehmen.

Der Rottenburger Philosoph, Diakon und langjährige Leiter des Diözesanmuseums, Wolfgang Urban, bezeichnet das dort Beschriebene als „Vereinigung von Auferstehung und Himmelfahrt“. Denn anders als bei Christus unterscheidet die Kirche theologisch zwischen der Auffahrt Christi in den Himmel und der Aufnahme Mariens, die dorthin „geholt“ wurde. Dieser Unterschied spiegle sich klar in der Bildtradition wider, sagt Urban; Maria werde bei ihrem Weg in den Himmel stets begleitet. Urban verweist in diesem Zusammenhang auf eine kunsthistorisch hoch bedeutende Darstellung des Marientodes aus der Zeit um 1220, die das Tympanon (Türbogenfeld) des Südquerhauses des Straßburger Münsters zeigt. Auch Kirchen in unserer Diözese beheimaten Darstellungen von Marias Tod: In der Pfarrkirche in Rohrdorf bei Isny ist eine um 1470 entstandene Tonplastik mit dem Titel „Marientod“ zu finden. Das Tympanon der Bergkirche von Laudenbach (Main-Tauber-Kreis) zeigt eine Version des Sterbens und der Aufnahme Mariens durch Christus aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Noch älter ist die Darstellung der Aufnahme Mariens am Südportal des Heiligkreuzmünsters von Schwäbisch Gmünd, sie stammt aus dem Jahr 1360.

Diese gleichzeitige Aufnahme von Leib und Seele der Mutter Gottes in den Himmel fand 1950 ihren theologischen Niederschlag, als Papst Pius XII. sie zum Dogma erklärte.

Die traditionellen Bräuche der Kräuterweihe und des Blumenschmucks am 15. August haben ihren Ursprung wohl in einer Legende: Nicht den Leichnam Mariens habe man in ihrem Grab gefunden, sondern Kräuter und Blumen. Der griechische Kirchenvater Johannes Damaszenus ergänzt dies in seinen Aufzeichnungen; er berichtet von wunderbarem Wohlgeruch duftender Kräuter, als Maria dem Grab entstieg. Die Mystikerin und Heilige, Gertrud von Helfta, wiederum stützt die Verbundenheit der Mutter Gottes mit der Natur in einer Vision von einem Garten mit wohlriechenden Blumen, in dessen Mitte sie Maria sah.

Der Festtag der Aufnahme Marias in den Himmel gilt in ländlichen Gegenden noch heute als wichtiger Lostag, eine Reihe von Sprüchen bekunden die Witterungswünsche, beispielsweise: „Mariä Himmelfahrt klar Sonnenschein, bringt gern viel und guten Wein“.

Hinweis:
Weihbischof Johannes Kreidler feiert am 15. August in der Wallfahrtskirche Ave Maria in Deggingen um 8.30 und um 10.30 Uhr Gottesdienste zu Mariä Himmelfahrt; außerdem ist er Zelebrant des Festgottesdienstes mit Lichterprozession um 19.30 Uhr auf der Liebfrauenhöhe in Ergenzingen.

Manuela Pfann