Sensibel für Grenzerfahrungen im Schulalltag

Die zahlreichen Gäste aus katholischer und evangelischer Kirche, aus Landesministerien, Regierungspräsidien und Schulverwaltung, Hochschule und Jugendpastoral, die Bischof Fürst begrüßen konnte, machen nach seinen Worten die Vernetzungen des Arbeitsfeldes deutlich, für das Frau Augustyniak-Dürr künftig Verantwortung trägt.

Er freue sich, in Frau Augustyniak-Dürr eine Persönlichkeit gefunden zu haben, die durch ihre berufliche Erfahrung und Kompetenz ebenso wie durch ihre erlebnisreiche Vita und durch ihre persönliche Ausstrahlung die Anforderungen eindrucksvoll erfülle, die mit den komplexen pädagogischen und politischen Herausforderungen und mit den Führungs- und Leitungsaufgaben dieser Position verbunden seien, kommentierte Bischof Fürst deren Berufung. Ihre vielfältigen Erfahrungen von Grenzen, Checkpoints und Hindernissen, die sie während eines mehrjährigen Aufenthalts im palästinensischen Beit Jala gemacht habe, lasse sie sensibel sein für die Checkpoints im Schulalltag, für schulische Barrieren und Grenzen, an denen Schüler manchmal zu zerbrechen drohen, sagte Bischof Fürst. Er sei überzeugt, dass sie das Erlebte auch mit Blick auf Barrieren des Religionsunterrichts und auf Grenzen der Institution Kirche als Hoffnungspotenzial weitergeben könne.

Das in der Westbank Erlebte prägt nach den Worten des Bischofs auch die Kompetenzen von Frau Augustyniak-Dürr, zu denen er Reduktion und Klarheit zählte. Aber auch die Fähigkeit, Grenzen zu ertragen und Ungewisses auszuhalten, gehöre dazu. Ordinariat und Kirche, so der Bischof, seien zwar strukturierte Systeme, aber auch Systeme in Bewegung – derzeit mehr als lange Zeit zuvor. Davon betroffen seien auch Religionslehrerinnen und –lehrer; das Fach Religionslehre werde vielfach in Frage gestellt. Briefe schilderten ihm eine tiefe Zerrissenheit zwischen der Kirche und deren Bild bei Schülern und Eltern. In dieser Situation gestaltend zu wirken, erfordere guten Mut und Zuversicht. Es gebe allerdings auch Konstanten wie die Verankerung von Religion und Religionsunterricht in der Landesverfassung, sagte Bischof Fürst. Den Problemen stehe überdies ein Mehrwert gegenüber: Religionsunterricht sei mehr als Diskursethik und Wertediskussion. Wie in keinem anderen Fach gehe es hier um eine authentische Auseinandersetzung mit Sinnfragen, die wesentlich zum Menschsein gehörten.

Die Grüße der Landesregierung und des Kultusministeriums überbrachte dessen Amtschefin, Ministerialdirektorin Margret Ruep. Sie würdigte die neue Leiterin der Hauptabteilung Schulen als eine kompetente und schulischen Belangen seit vielen Jahren verpflichtete Persönlichkeit. Das Wissen um die gemeinsame Bildungsverantwortung von Kirche und Staat drücke sich in Baden-Württemberg in einem traditionell guten Verhältnis zwischen beiden und in vielfältigen Kontakten aus, sagte Frau Ruep. Die neue Landesregierung setze neue Impulse, die dadurch aufgeworfenen Fragen müssten gemeinsam mit den Kirchen in guter Weise geklärt werden. Ein positives Signal sei es, dass die neuen Formen der Gemeinschaftsschule jetzt ebenfalls als christliche Gemeinschaftsschulen qualifiziert würden. Ruep sagte zu, den Dialog mit den Kirchen zu bildungspolitischen Schwerpunkten auch künftig zu suchen.

Die beispielhafte Zusammenarbeit der evangelischen und katholischen Kirche in Baden-Württemberg betonte Oberkirchenrat Werner Baur von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg im Namen der INTERKO, der interkonfessionellen Kooperation im Bereich der Schulen. Es zeige sich hier, dass Konfessionalität kein Defizit, sondern eine gegenseitige Bereicherung sei. Gemeinsam sei den Partnerkirchen die Überzeugung, dass Religion keine Privatsache sei, sondern um der Kinder willen zur Bildung gehöre. Bildung bedeute Freiheit, so Baur, und Bildung zur Freiheit bedürfe der Religion.

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Ute Augustyniak-Dürr wurde 1962 in Wolfach im Schwarzwald geboren. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Nach der Schulzeit in Wolfach und in Konstanz, wo sie 1981 das Abitur ablegte, studierte sie von 1981 bis 1987 in Freiburg Germanistik und Theologie für das Lehramt. Es folgten das Referendariat an Gymnasien in Karlsruhe (1987-1989) und eine Tätigkeit als Lehrerin am Gymnasium Möckmühl (1989-1994). Sowohl mit der Bischofsstadt Rottenburg als auch mit der Welt einer katholischen Schule kam sie in Berührung, als sie zwischen 1994 und 2002 am Aufbau des Rottenburger St.- Meinrad-Gymnasiums beteiligt war, ab 1997 als Stellvertretende Schulleiterin und 1998/1999 als Kommissarische Schulleiterin. Nach einer zweijährigen Elternzeit zog es Frau Augustyniak-Dürr in die Ferne. An der Talitha-Kumi-Schule in Beit Jala im palästinensischen Westjordanland, wo ihr Ehemann Dr. Georg Dürr Schulleiter war, unterrichtete sie von 2004 bis 2010 Deutsch als Fremdsprache und leitete verschiedene Projekte im interreligiösen und interkulturellen Dialog. Seit Herbst 2010 lebt sie mit ihrer Familie wieder in Deutschland und lehrte bis zum Schuljahrsende 2010/2011 am Reutlinger Kepler-Gymnasium Deutsch und Katholische Religionslehre.

Ute Augustyniak-Dürr hat im Laufe ihrer Berufstätigkeit eine Reihe von Zusatzqualifikationen erworben, so zum Beispiel als Spielleiterin des sozialpädagogischen Rollenspiels. Viele Jahre arbeitete sie als Autorin von Verkündigungssendungen im damaligen SDR sowie bei der diözesanen Zeitschrift „Notizblock“ für Religionslehrerinnen und –lehrer mit. Für das Oberschulamt Tübingen nahm sie von 1999-2002 den Prüfungsvorsitz in den Fächern Deutsch und Katholische Religion in der Referendarsausbildung fürs Gymnasium wahr, im Jahr 2002 den Prüfungsvorsitz für das Fach Religion im Abitur. Sie spricht Englisch und verfügt über Grundkenntnisse in
Französisch, Arabisch und Hebräisch.