Sich auf das Wagnis der eigenen Berufung einlassen

hat der Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler am Sonntag beim „Glaubensfest der Männer mit ihren Familien“ auf dem Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen betont. Weihbischof Kreidler nahm in seiner Predigt Bezug auf das Jahr der Berufung, das in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in diesem Jahr besonders begangen wird und das unter dem Leitgedanken steht: „Entdeck den roten Faden deines Lebens – Gottes Ruf auf der Spur“. Berufung bedeute nicht in erster Linie, eine bestimmte Funktion in der Kirche wahrzunehmen; auch zu einem Leben als Mütter und Väter könne man berufen sein oder „zu einem bestimmten Lebensprojekt, zu einer Lebensaufgabe, die einen ganz und gar beseelt“, sagte der Weihbischof.

Familie, so Kreidler, bedeute „ein kleines Paradox“: Sie könne „Quelle größten Glücks“ und ebenso „Ort verzehrender Kraft“ sein. Die heutigen Belastungen der Familien würden entweder immer noch nicht voll wahrgenommen oder bewusst übersehen, sagte Weihbischof Kreidler und kritisierte die Selbstverständlichkeit, mit der „die Politik den Standortbestimmungen der Wirtschaft weitaus größere Aufmerksamkeit schenkt als den Lebensbedingungen von Familien“. Auch die Kirchen seien herausgefordert, in der Familienseelsorge neue Akzente zu entwickeln.

Manchmal, so betonte der Rottenburger Weihbischof, sei der rote Faden des Lebens verworren und wie abgerissen. Die geplante Zukunft könne als sinnlos erscheinen. Das gelte auch für die Beziehungen in einer Familie oder bei der Entwicklung der Kinder. Solche Brüche und Krisen seien oft schwer auszuhalten, aber sie könnten auch wichtige Zeichen sein, die Neues ankündigen, „das nicht länger übersehen oder überhört werden will“. Sie seien „bedeutsam, weil wir in ihnen Gottes Ruf neu auf die Spur kommen“, sagte Weihbischof Kreidler. Das Leben habe „etwas Ungesichertes“; das könne ebenso wenig beseitigt werden wie man „das Forcierende des Rufes Jesu nicht zurecht schneiden“ dürfe. Der Gott Jesu und das Reich Gottes bleibe eine Herausforderung. „Es gibt keine Sicherung, einzig das Vertrauen, einzig das Wagnis zählt“, betonte Weihbischof Kreidler.