Sich von der Angst vor dem Fremden befreien

Es gehe zunächst darum, so D’Sa, in einem ersten Schritt der „Interkulturation“ die Verschiedenheit der „Kosmovisionen“ der jeweiligen Religionen anzuerkennen und sie als positive Herausforderung für die eigene Religion sehen zu lernen. In allen Religionen gebe es Zeichen der Gegenwart Jesu Christi und des Wirkens des Heiligen Geistes, betonte der Jesuit. Nur zusammen trügen sie zur Fülle der Wahrheit bei. Der Christusglaube sei nicht „monolithisch“. Eher zutreffend sei das Bild des Regensbogens, in dem die Farben ineinander über gingen. Nur in dieser Ganzheit lasse sich letztlich ahnen, was Jesus Christus bedeute. Zum Anerkennen müsse aber auch als zweiter Schritt hinzukommen, dass die Religionen einander ernst nehmen. Man müsse mit zwei Augen sehen, betonte Pater D’Sa im Hinblick auf das ihm besonders vertraute Verhältnis zwischen Christentum und Hinduismus. Nur so sehe man das Ganze und dringe in die Tiefendimension des heiligen Geheimnisses vor, das die Sprache immer nur in Metaphern und Symbolen zum Ausdruck bringen könne. Wenn zwei Kulturen einander begegneten, veränderten sich beide, so D’Sa. So sprächen indische christliche Theologen anders von Jesus Christus als europäische Theologen. Kulturen seien Welten, und unterschiedliche kulturelle Hintergründe veränderten die Sicht auf ein und dieselbe Wahrheit. Es gehe dabei nicht um richtig oder falsch, sondern um anders.

Das aber bedeutet für Francis D’Sa keine Auflösung in Beliebigkeit. Wichtig sei bei allem die „Unterscheidung der Geister“. So müssten Christen auf Grund des Evangeliums etwa das indische Kastenunwesen ablehnen. Andererseits könne die kosmische Solidarität des Hinduismus dem westeuropäischen Christentum ganz neue Impulse in der Umweltverantwortung geben. Das Anderssein zu betonen bedeute nicht, einander zu bekämpfen, sondern in der Begegnung das Eigene und seinen Platz im gemeinsamen Ganzen neu zu bedenken.

Wichtig sei es, eine Atmosphäre des Dialogs vorzubereiten und den Menschen zu helfen, sich von der Angst vor dem Fremden zu befreien. Dahin sei es noch ein langer Weg. Ein zentraler Grundsatz seines Denkens, so Pater D’Sa, lasse sich so zusammenfassen: den anderen so zu verstehen lernen, wie er sich selbst versteht, damit dieser lernt, mich so zu verstehen, wie ich mich selbst verstehe. Dazu bedürfe es einer großen Demut.