Auszeichnung

Silbermond erhält den Eugen-Bolz-Preis

Der Eugen-Bolz-Preis 2021 geht an die Rock- und Pop-Band Silbermond. Das Bild zeigt (von links): Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des SWR, Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, Johannes Stolle und Stefanie Kloß von Silbermond, Theresa Schopper, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport der baden-württembergischen Landesregierung, und Dr. Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, bei der Übergabe der Urkunde. Bild: DRS/Moser

Der Eugen-Bolz-Preis 2021 geht an die Rock- und Pop-Band Silbermond. Das Bild zeigt (von links): Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des SWR, Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher, Johannes Stolle und Stefanie Kloß von Silbermond, Theresa Schopper, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport der baden-württembergischen Landesregierung, und Dr. Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, bei der Übergabe der Urkunde. Bild: DRS/Moser

Die Rock- und Popband Silbermond ist Träger des Eugen-Bolz-Preises 2021. Die Verleihung erfolgte am Donnerstagabend in Rottenburg.

Silbermond zählen seit ihrem Durchbruch mit dem Hit „Durch die Nacht“ im Jahr 2004 zu den deutschen Top-Acts und haben die Entwicklung deutschsprachiger Rock-Musik maßgeblich beeinflusst. Mehr als sechs Millionen verkaufte Tonträger, Hunderte von ausverkauften Konzerten und Dutzende von Gold- und Platinauszeichnungen sprechen für sich.

 

Mit Ihrer Kunst haben Sie den Himmel schon ein stückweit geöffnet.
Generalvikar Dr. Clemens Stroppel

 

Mit der nun erfolgten Preisverleihung an die Band wurde deren demokratische Gesinnung sowie das seit vielen Jahren bestehende Engagement der Rock- und Popband gegen Rechtsextremismus gewürdigt.

Dr. Clemens Stroppel, Generalvikar der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sagte anlässlich der Preisverleihung an die Bandmitglieder gewandt: „Mit Ihrer Musik setzen Sie ein klares Statement gegen Extremismus und Intoleranz und einen Appell für ein humanes Miteinander, für eine menschlich bewohnbare Gesellschaft und Welt! Sie sind Vorbilder, Influencer für viele junge Menschen, die Orientierung suchen.“ Und mit Blick auf die Liedzeile „Wann reißt der Himmel auf?“ stellte Stroppel fest: „Mit Ihrer Kunst haben Sie den Himmel schon ein stückweit geöffnet.“

Eine Generation, die Farbe bekennt

Dabei freue es ihn zu sehen, dass die Generation der Post-Millenials wieder beginnt, sich politisch zu engagieren. Diese Jugendlichen gehörten einer Generation an, die Farbe bekennt. „Sie gehen auf die Straße; sie streiken fürs Klima und sind über die sozialen Medien informiert, vernetzt und aktiv. Ihre Idole finden sie meist nicht in der Politik. Jugendliche suchen ihre Vorbilder auf anderen Feldern“, sagte Stroppel.

Vor allem die Musik spiele hier eine zentrale Rolle. „Umso wichtiger ist es, dass sich Künstlerinnen und Künstler ihres Einflusses bewusst sind, sich diesen zu eigen machen und ihr Medium für ihre Botschaft nutzen – insbesondere dann, wenn sie wie Silbermond in deutscher Sprache singen“, sagte der Generalvikar.

Stephan Neher, Vorsitzender des Stiftungsrats, begründete die Wahl der Preisträger wie folgt: „Ihre Überzeugung und ihr Handeln haben deutlich gezeigt, dass sie die von der Eugen-Bolz-Stiftung verfolgten Ziele teilen und ihr poetisch-politisches Engagement danach ausrichten. Sie stehen zu ihrer Haltung, auch in einem Umfeld, das diesen Überzeugungen nicht immer wohlgesonnen war und ist.“

 

Ihre Überzeugung und ihr Handeln haben deutlich gezeigt,
dass sie die von der Eugen-Bolz-Stiftung verfolgten Ziele teilen
und ihr poetisch-politisches Engagement danach ausrichten.

Stiftungsratsvorsitzender Stephan Neher

 

Mit der Preisverleihung an Stefanie Kloß, Andreas Nowak, Johannes Stolle und Thomas Stolle solle das Leben und Wirken von Eugen Bolz gerade auch jüngeren Menschen ins Bewusstsein gerückt werden.

Klare Kante gegen Rechtsextremismus und rechtes Gedankengut

Der 1997 erstmals verliehene und mit 5000 Euro dotierte Preis wird alle zwei bis vier Jahre vergeben und geht an Persönlichkeiten, die sich in besonders herausragender Weise und aus religiöser Verantwortung heraus Verdienste in Wissenschaft, Politik und Publizistik um Rechtsstaat und Verfassung erworben haben.

Die bisherigen Preisträgerinnen und -träger sind: Steffen Heitmann (1997), Bärbel Bohley und Arno Vaatz (1999), Prof. Dr. Paul Kirchhof (2001), Dr. Joachim Fest (2004), Dr. Wanda Póltawska (2006), Dr. h.c. Erwin Teufel (2008) und Dr. h.c. Charlotte Knobloch (2010), Robert Antretter (2014) und Dr. Angela Merkel (2017).

Theresa Schopper, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport der baden-württembergischen Landesregierung, bezeichnete Silbermond in ihrem Grußwort als „Ikone der Popkultur“. Die Band zeige klare Kante gegen Rechtsextremismus und rechtes Gedankengut. Darüber freue sie sich sehr.

 

Der Preis würdigt Eugen Bolz,
für den es im Leben so viel mehr gab als ihn selbst.

Sängerin Stefanie Kloß

 

Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des Südwestrundfunks, hielt in seiner Laudatio fest: „Silbermond ist laut, wenn es darum geht, gegen Rechtsextremismus und Faschismus aufzutreten. Vor diesem Mut ziehe ich den Hut.“ Silbermond-Sängerin Stefanie Kloß sagte in ihrer Dankesrede: „Der Preis würdigt Eugen Bolz, für den es im Leben so viel mehr gab als ihn selbst.“

Interview

Drei Fragen an Johannes Stolle, den Bassisten von Silbermond

Herr Stolle, weshalb bezieht Silbermond schon seit vielen Jahren so klare Stellung gegen Rechtsextremismus?

Zum einen, weil es uns persönlich sehr wichtig ist und wir auch der festen Überzeugung sind, dass die Bedrohung durch den Rechtsextremismus in diesem Land viel zu häufig unterschätzt wird. Eine gefährliche Entwicklung, der es entgegenzuwirken gilt.

Was sagen Sie Jugendlichen, wie sie sich im Internet davor hüten können, Rechtsextremen in die Falle zu gehen?

Für die Frage bin ich natürlich kein Experte, aber gerade die sozialen Medien sind ja ein Paradies für Populisten, da fällt es auch mir manchmal schwer, den Durchblick zu behalten. Aber ich denke, es sollten immer die Alarmglocken läuten, wenn dir da draußen jemand einfache Antworten anbietet auf eben doch sehr komplexe Fragen in unserer freien, offenen Gesellschaft. Hier gilt es besonders, kritisch und wachsam zu sein.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung mit dem Eugen-Bolz-Preis 2021?

Wir freuen uns natürlich sehr und fühlen uns geehrt, dass die Eugen-Bolz-Stiftung uns für die Auszeichnung vorgeschlagen hat. Mit Blick auf die vielen anderen engagierten Menschen, Vereine und Organisationen, die abseits der breiten Öffentlichkeit nicht weniger wichtige Arbeit leisten, fühlen wir uns aber auch etwas unwohl dabei, herausgehoben zu werden. Dennoch ist diese Preisverleihung einmal mehr auch eine wichtige Gelegenheit, auf die vielfältigen Bedrohungen durch Rechtsextremismus aufmerksam zu machen.

Zum Hintergrund

Staatspräsident Dr. h. c. Eugen Bolz

Der 1881 in Rottenburg am Neckar geborene Eugen Bolz war Mitglied des Reichs- und des württembergischen Landtags. 1919 wurde er württembergischer Justizminister, ab 1923 Innenminister und ab 1928 württembergischer Staatspräsident. 1933 wurde Bolz von den Nationalsozialisten unter unwürdigen Bedingungen aus dem Amt gejagt, da er aus seiner Gegnerschaft zu ihnen nie einen Hehl gemacht hatte. Ab 1941 nahm er Verbindungen zu Widerstandskreisen um Carl Goerdeler auf und erklärte sich 1944 bereit, in einer neuen Reichsregierung das Kultusministerium zu übernehmen. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet, am 21. Dezember 1944 vom berüchtigten Volksgerichtshof zum Tod verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Die Eugen-Bolz-Stiftung

Die Eugen-Bolz-Stiftung e.V. wurde 1949 gegründet und hat es sich zum Ziel gesetzt, das Andenken an Eugen Bolz als einen großen Staatsmann, aufrechten Katholiken und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime zu bewahren und in die Zukunft zu tragen. Im Jahr 2007 begründete der Verein eine gleichnamige Stiftung, zu deren Aufgaben auch die Verleihung des mit 5000 Euro dotierten Eugen-Bolz-Preises zählt. Die Stiftung, in der Angehörige der Familien Rupf-Bolz, die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die Stadt Rottenburg am Neckar vertreten sind, wird unter Federführung der Stadt verwaltet und geleitet.

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