„Skandal der Ausgrenzung“

Dass Hauptschüler in der Arbeitswelt inzwischen kaum mehr Chancen hätten, wie es der Bericht dokumentiert, stelle einen „Skandal der Ausgrenzung“ dar, so der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Eine Gesellschaft, die sich eine derartige Ausgrenzung leiste, gehe ein zu hohes Risiko ein. Sie nehme in Kauf, dass große Teile ihrer Jugend sich von ihr abwenden und ihr die Solidarität aufkündigen.

Der Bischof forderte Politik und Wirtschaft auf, alle Kräfte zu mobilisieren, um auch Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien und solchen mit Migrationshintergrund ausreichend Bildungschancen zu geben, so dass sie eine Zukunft für sich erkennen können. Zu prüfen sei, ob wirklich alle pädagogischen Ressourcen in den Haupt- und Förderschulen sowie in den Hilfeeinrichtungen für Migrantenkinder ausgeschöpft sind. Bischof Fürst beklagte, dass Schüler in einem immer härter werdenden Rennen um die besten Bildungschancen in immer größere Gefahr gerieten, seelisch und körperlich krank zu werden. „Das haben junge Leute nicht verdient, die Kräfte und Talente in sich spüren und sich entwickeln wollen“, so Bischof Fürst.

Wer sich heute als Hauptschüler bekenne, trage das Stigma des Verlierers auf der Stirn, gebe sich oftmals früh auf und flüchte nicht selten in Drogen und Gewalt, unterstrich der Bischof. Schüler anderer Schularten stünden bisweilen so unter sich selbst oder von ihren Eltern gesetztem Druck, dass sie innerlich unfrei und unglücklich würden. Bischof Fürst warnte vor den Folgen eines immer stärkeren Auseinanderdriftens der Gesellschaft. Nach wie vor würden in Deutschland Armut und Bildungsarmut vererbt. Das Land aber habe seinen Wohlstand auf der Basis eines Bildungsbegriffs aufgebaut, der aus christlichen Wurzeln entstanden sei. Dieses Bildungsverständnis schließe ein, dass möglichst jeder Mensch sich nach seinen Fähigkeiten entfalten soll. „Von einem solchen Begriff kommen wir immer weiter weg“, so Bischof Fürst.