Social Freezing löst die Probleme nicht

Stuttgart. 30. Oktober 2014: Als „in Wahrheit diskriminierend“ hat die Rottenburger Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp die Einmischung von Firmen in intimste Lebensfragen von Familien bezeichnet. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion zum Thema „Social Freezing“ nannte sie die Instrumentalisierung von Frauen für wirtschaftliche Interessen „fatal“.

„Es kann nicht sein, dass die Wirtschaft sich anmaßt in dieser Weise zu definieren, wie Lebensphasen gestaltet werden“, sagte die Ordinariatsrätin, die auch Vizepräsidentin und Genderbeauftragte des Deutschen Caritasverbandes ist. Gleichzeitig regte sie an, sich jetzt neu als Kunde von facebook und apple die Frage zu stellen, ob man weiter die Produkte dieser Firmen kaufen wolle.

Das Thema „Frauen und Karriere“ sei ebenso wenig ein reines Frauenthema wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte Stetter-Karp. Um hier tragfähige Lösungen zu finden, sei eine Einbeziehung der Männer und damit eine gesellschaftspolitische Diskussion notwendig. Diese Debatte werde zwar aktuell geführt, allerdings häufig mit Ideologieschablonen, anstatt mit dem nötigen Respekt und dem Verständnis für das jeweils andere Geschlecht.

Dass mit der Einrichtung entsprechender Rahmenbedingungen seitens des Arbeitgebers eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter möglich wird, dies bescheinigte die Hertie-Stiftung dem Bischöflichen Ordinariat in dieser Woche: Zum fünften Mal seit 2002 wurde dem Rottenburger Arbeitgeber mit seinen über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Zertifikat „Audit Beruf und Familie“ verliehen. Zum Angebot des Bischöflichen Ordinariats zählen unter anderen familiengerechte Teilzeitarbeit, flexible Arbeitszeiten, die Möglichkeit der Telearbeit, Wiedereinstiegsqualifizierungen oder familienbezogene Entgeltbestandteile.

Manuela Pfann