„Sonne und Freundschaft“

Bischof Gebhard Fürst ist gemeinsam mit Ernst Ulrich von Weizsäcker Patron des gemeinnützigen Vereins zur Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben in Stuttgart, der das Projekt und das Unterstützernetzwerk von Deutschland aus koordiniert und öffentliche sowie kirchliche Fördermittel erhält.

„Mithradham“, so erläuterte der Leiter des Zentrums, Professor George Peter Pitrapillil, am Mittwoch vor Medienvertretern in Stuttgart, bedeutet sowohl „Haus der Sonne“ als auch „Haus des Freundes“. Sonne und Freundschaft stünden für die Aufgaben des Zentrums, so Pitrapillil. Die Erzeugung und Nutzung der Solarenergie sei Bestandteil eines integrierten Systems, zu dem unter anderem auch die Nutzung von Wind- und von Bioenergie gehöre. Ein solarbetriebenes Pumpwerk sorge für die Trinkwassergewinnung; die ökologische Landwirtschaft liefere die notwendige Biomasse für die Energiegewinnung und mache zusammen mit den anderen Elementen des Systems das Mithradham-Centre im Energiebereich und in der Nahrungsmittelversorgung unabhängig. Zugleich ist Mithradham ein Schulungs- und Trainingszentrum, in dem Teilnehmer aus Indien und weit darüber hinaus in die wissenschaftlichen Grundlagen erneuerbarer Energien eingeführt und in der praktischen Handhabung der erforderlichen Technik geschult werden. Mithradham sei so etwas wie ein „Mekka der ökologisch und sozial ausgerichteten Entwicklungszusammenarbeit“, betonte Johannes Bielefeld, Geschäftsführer und Indien-Referent der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die das Zentrum bislang mit über 190.000 Euro gefördert hat.

Der indische Bundesstaat Kerala, erläuterte Professor Pitrapillil, sei mit 1.600 Menschen pro Quadratkilometer der dichtest besiedelte Flächenstaat der Welt. Die Hälfte der Bevölkerung sei ohne Wasser, jeweils ein Viertel ohne Elektrizität und sanitäre Einrichtungen. Das dringend erforderliche wirtschaftliche und industrielle Wachstum und die Armut belasteten die Umwelt bis zur Unerträglichkeit. Weil die wirtschaftliche Entwicklung Priorität habe, werde der Umweltschutz vernachlässigt. „Die Gesundheit der Menschen, das Ökosystem und die nationale Wirtschaft stehen in dauerndem Widerspruch zueinander“, sagte Pitrapillil. Das Zentrum verstehe sich als Modell für gelungene Möglichkeiten sowohl der ökologischen als auch der sozialen Entwicklung. So werden zum Beispiel in einer an der Uni Hohenheim entwickelten Solartrockner-Anlage hochwertige Gewürze hergestellt, die in Europa im Fairen Handel verkauft werden. Rund 1.200 Kleinbauern erhalten dadurch nicht nur Arbeit und Lohn, sondern verdienen auch rund 50 Prozent mehr als bei den konventionellen Produktionsverfahren. Die indische Hotelkette „C. G. H. Earth Experience“ richtete, angeregt durch Mithradham, ihr Konzept auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit aus

Das Umwelt- und Bildungszentrum ist in ein nationales und internationales Netzwerk eingebunden. Rosemarie Zaiser, Vorsitzende des Vereins zur Förderung entwicklungswichtiger Vorhaben, stellte als Sponsoren neben der Diözese Rottenburg-Stuttgart unter anderen das Hilfswerk MISEREOR, das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, Bundesministerien und die EU vor und wies auf die Kooperation mit den Universitäten Hohenheim, Stuttgart und Edinburgh sowie mit indischen Colleges und deutschen Industrieunternehmen hin. Schulpartnerschaften und Schüleraustausch zwischen Deutschland und Indien stehen unter dem Motto „Klimaschutz macht Schule“, und bei den „Global-Village-Aktionswochen“ erleben Gäste aus der ganzen Welt, wie das Engagement für die Bewahrung der Schöpfung Menschen über alle Grenzen hinweg verbindet.