Sonnenstrahlen für kalte Tage sammeln

„Gott will den Menschen nicht allein betriebsam und fleißig,“ so Bischof Fürst. Er wolle ausgeglichene Menschen mit genügend Erholung und keine gebeugten, Pflicht erfüllenden, bedrückten Typen, die die Schönheit der Welt und ihres Lebens nicht mehr sehen und genießen können. Er wolle Menschen, die entspannt und fröhlich sind und anderen die neuen Ideen und die neue Kraft weiter geben können, die sie im Urlaub gesammelt haben. Bischof Fürst zitierte die alte Weisheit: „Gott achtet uns, wenn wir arbeiten, aber er liebt uns, wenn wir singen.“ Urlaub sei eine Gelegenheit, „neue Kräfte zu schöpfen, eine Gelegenheit, Schätze füreinander und miteinander einzusammeln, eine Gelegenheit, Sonnenstrahlen der Liebe und Fürsorge zu sammeln, die wir womöglich an kälteren Tagen des Herbstes und Winters dann gut gebrauchen können.“

Diese Einladung zur Ruhe sei ein Herzstück der frohen Frohbotschaft Jesu Christi. Jesus selbst spreche diese Einladung aus. Bei ihm sei Aufatmen möglich. „Jesus möchte“, sagte Bischof Fürst, „dass wir in seiner Nähe Luft bekommen, dass wir nicht panisch und kurzatmig werden vor Angst und Not. Jesus sagt uns selbst solches Aufatmen zu. Ja, mehr noch! Er verspricht, dass ER selbst unser Aufatmen sein wird.“ Die Einladung Jesu begründe die Aussicht auf Entlastung von einem niederdrückenden Leistungsdruck, auch wenn das Handeln im Leben immer nur Stückwerk bliebe.

Mit dem Engagement der Diözese für die Erholung von Familien setze die Diözese einen ihrer wesentlichen Schwerpunkte um. Die Familie sei der Ort, an dem Kinder den Glauben „erlernen“. In den Familienerholungsstätten könnten die Familien Kraft tanken und „Sonnenstrahlen sammeln“. Die Familien bezeichnete der Bischof als das „Zukunftskapital, das unsere Gesellschaft auch morgen ermöglichen und tragen wird.“ Bischof Fürst: „Ich würde mir wünschen, dass sich das Wort vom Kinderland Baden-Württemberg hier auch staatlicherseits noch konkreter umsetzen wird.“

Bischof Fürst hatte die Familie in seiner Neujahrsansprache als besonderen Schwerpunkt für das Jahr 2006 bezeichnet. Das Familienerholungswerk der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V. betreibt drei gemeinnützige Familienferiendörfer (in Eglofs, Langenargen und Schramberg) ohne Gewinn. Gäste sind vor allem Familien mit vielen Kindern, Familien mit geringem Einkommen, Alleinerziehende oder Familien mit einem behinderten Angehörigen aufnehmen. Die Religionszugehörigkeit spielt bei der Platzvergabe keine Rolle.


Kurzinfo zum Familienferiendorf Eglofs

Die Anlage mit 5,3 ha Fläche wurde im Jahr 1961 eröffnet. Bis zur Sanierung umfasste sie 46 Wohneinheiten, davon 32 Ferienhäuschen mit sechs und zwölf mit acht Betten und zwei Apartments mit vier Betten, d.h. insgesamt 296 Betten. Die Wohnflächen betrugen dort nur etwas mehr als 50 Quadratmeter und entsprachen damit nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. Außerdem waren die Häuschen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen nicht geeignet.

Sanierungsmaßnahmen 2005/2006

Drei Häuser mit jeweils 14 Betten (für Großfamilien und Gruppen mit behinderten Menschen) wurden gebaut, die auch geteilt vermietet werden können. Kosten rund € 1.100.000,00. Zehn neue Häuser mit jeweils sechs Betten. Die Außenanlage wurde fast vollständig erneuert, und es wurden ein Beachvolleyball- und ein Streetballfeld realisiert. Außerdem eine Kletterwand und ein Großspielgerät. Der Bolzplatz wurde erheblich vergrößert, ebenso die Fläche um das Grillhaus. Die 40 Jahre alte Küche wurde komplett erneuert und die Essensversorgung auf ein Buffetsystem umgestellt. Außerdem wurden im Haus noch verschiedene Sanierungsmaßnahmen durchgeführt, um für kleinere Familien Unterbringungsmöglichkeiten zu schaffen und einen zusätzlichen Gruppenraum zu gewinnen.

Kosten- und Finanzierung der Maßnahmen

Gesamtkosten aller oben beschriebener Maßnahmen: rund € 3.500.000,00. Davon hat die Diözese Rottenburg Stuttgart € 1.000.000,00 und deren Stiftung „Lebensraum für die Familie“ und Wohnungsbaufonds noch einmal € 1.500.000,00 Zuschuss getragen. Die Lotterie GlücksSpirale hat € 200.000,00 Zuschuss gewährt. Den Rest muss das Familienerholungswerk aus Bauerneuerungsrücklagen tragen. Das Land Baden-Württemberg fördert seit mehreren Jahren bereits die Sanierungen von gemeinnützigen Ferienstätten nicht mehr. Deshalb können auch die Bundesmittel nicht mehr in Anspruch genommen werden. Besonders unverständlich ist den Trägern der Familienerholung, dass auch die Förderung der Familien mit sehr geringem Einkommen im vergangenen Jahr gestrichen wurde. Deshalb können insbesondere große Familien sich den Aufenthalt nicht mehr leisten.