Sorge um Menschen, die es besonders nötig haben

Die Clarissen, ein Frauenorden, der nach der Ordensregel des heiligen Franz von Assisi und der heiligen Clara lebt, kümmerten sich nach den Worten des Bischofs um die Kinder der Stadt und des Landes, vor allem um minderjährige Mädchen, die zur Versorgung und Erziehung zu den Schwestern gebracht wurden. Aus der Konzentration auf Gott in einer strengen Klausur hätten sie die Kraft gewonnen, sich in Liebe gerade den Menschen zuzuwenden, die es dringend nötig gehabt hätten, sagte Bischof Fürst.

Der Bischof stellte in seiner Predigt in der einstigen Klosterkirche eine Beziehung zwischen dem Leben der Söflinger Clarissen und dem Bibeltext her, der in dem Festgottesdienst zum Vortrag kam. Die Sorge um Menschen, die es besonders nötig haben – dies war der Punkt des Vergleichs. Der Bibeltext handelte von der Begegnung Jesu mit einem Mann namens Zachäus, einem Zöllner - also dem Angehörigen einer Berufsgruppe, die in Israel zur Zeit Jesu als Wucherer und „Abzocker“ verschrieben waren. Jesus sei zu den „Verlorenen“, den Verachteten gegangen und habe sich ihnen zugewandt. Er habe sich auch nicht gescheut, mit Menschen zu verkehren, die den Menschen aus Geiz und Gier das Geld aus der Tasche gezogen haben. Dies gäbe es zu allen Zeiten, meinte Bischof Fürst. Durch die Zuwendung Jesu zu diesen Menschen sei aber eine ganz andere Wirklichkeit „für uns alle“ angebrochen, „die nicht rechnet, berechnet, schon gar nicht abrechnet“, sagte Bischof Fürst. Das Resümee der Geschichte sei in dem Satz zusammengefasst: „Heute ist diesem Hause Heil geschenkt worden.“ Das habe für Zachäus gegolten, bei dem die Begegnung mit Jesus eine radikale Umkehr bewirkt habe und der von einem egoistischen zu einem freigebigen Menschen geworden sei. Das „Heute“ gelte aber auch für die jetzt lebenden Menschen. Es gehe nicht nur um das Suchen und Retten, sondern auch darum, sich retten und heilen zu lassen, betonte Bischof Fürst. Niemand gehöre zu den „Perfekten, Fehlerlosen und Untadeligen“. Jeder habe sich schon einmal „als Verlierer oder gar als Verlorener“ gesehen. Wo Gott einkehre, verwandle sich die Welt; dort würden verborgene Kräfte in den Menschen geweckt, sagte der Bischof.