Spiegelbild menschlicher Verwundungen

Dies hat Bischof Gebhard Fürst am Freitag, 20. Januar, in der Wallfahrtskirche zum hl. Sebastian in Haisterkirche bei Bad Waldsee bei einem Gottesdienst zum Fest des volkstümlichen Heiligen vor zahlreichen Gläubigen betont. Der um das Jahr 288 bei der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian getötete römische Offizier gehört besonders seit der Zeit der Spätgotik mit zu den am meisten verehrten Heiligen und wird in ungezählten Abbildungen dargestellt. Seine Entschlossenheit bis zum Äußersten, auch in der Verfolgung für seinen Glauben einzustehen und sich für die eingekerkerten Mitchristen karitativ zu engagieren, habe bereits die frühen Christen fasziniert, betonte der Bischof.

Der Heilige spreche das Gefühl für die Verwundbarkeit menschlicher Existenz an, das auch heute viele Menschen bestimme, so Bischof Fürst. In ihm seien noch die Eindrücke lebendig, die er vor genau zwei Jahren bei einer Feier des Sebastiansfestes im südindischen Kerala gewonnen habe. Tausende erkennbar arme Menschen hätten in festlichen Gewändern, die Frauen im Hochzeitsschmuck, ein Fest von überbordender Freude gefeiert, dann aber auch in tiefer Andacht am Gottesdienst teilgenommen. Ihm sei deutlich geworden, dass diese Menschen sich in ihrem eigenen Leid mit der Gestalt des gemarterten Heiligen identifizieren können und in ihm letztlich den gekreuzigten Christus verehren. Der Blick auf seine Wunden gebe ihnen Trost angesichts ihrer eigenen Verwundungen und Vertrauen ins Leben trotz alle Mühseligkeiten.

Diese Teilhabe an Leiden und Auferstehung Christi und der damit verbundene Lebensmut auch unter Belastungen und Notlagen sei in seinen Augen der tiefe Grund der Sebastiansverehrung auch hierzulande und besonders auch in der Wallfahrtskirche in Haisterbach. Die meditierende Betrachtung des Heiligen solle aber nicht nur sensibel für die eigenen Verwundungen machen, sondern auch für die Pfeile, mit denen man andere Menschen beschieße und in ihrer Existenz bedrohe, betonte Bischof Fürst.

Dr. Thomas Broch