„Spielball eigener Experimente“

Er warnte vor einem schleichenden Prozess, in dem auf einem Altar des perfekten Menschen Menschenopfer dargebracht werden. Opfer seien „hierzulande Kinder mit Down-Syndrom, anderswo Mädchen wegen ihres Geschlechts, heute Kinder mit schweren Erbleiden, morgen solche, denen es an Intelligenz, Schönheit oder einfach an Erfolgsaussichten mangelt“. Vor der Geburt erkannte genetisch bedingte Fettleibigkeit oder Legasthenie seien in den USA als Abtreibungsgrund anerkannt, so der Bischof.

Er betonte, in einer Zeit, in der alles reproduzierbar sei, „sind wir nun beim sich selbst produzierenden Menschen angekommen“. Ganz langsam und unauffällig verschiebe sich die Frage der Menschenwürde in die nach dem Wert des Menschen im Sinne der Wirtschaft, des Geldes und der Macht. Würde des Menschen bedeute aber gerade dessen Unverfügbarkeit und dass er der Bewertung durch andere entzogen sei. Bischof Fürst hob hervor, dass die Kirche mit ihrer Kritik an medizinischen und biotechnologischen Machbarkeitsphantasien keineswegs forschungsfeindlich sei, sondern vielmehr lebensfreundlich.

Zu welch menschenunwürdigen Verhältnissen ein biowissenschaftlicher Fortschritt ohne ethisch begründete Grenzen führe, lasse sich am Beispiel der USA zeigen. Dort könnten Paare gewissermaßen nach Wunsch Kinder von Samenbanken bestellen. „Hier bestimmt die Nachfrage die Merkmale, welche die Kinder später haben sollen.“ So sei der Samen weißer Spender beliebter als der von schwarzen; Zwergwüchsige wünschten zwergwüchsige und Taubstumme taubstumme Kinder. Bei einer solchen Entwicklung handle es sich um „Eugenik von unten, bei der nicht ein Staat, sondern die Verbraucher den Genbestand nach ihren Vorstellungen ändern“, mahnte Bischof Fürst. Einem solchen Denken und Handeln stehe das christliche Ethos diametral entgegen; es nehme den Menschen als Gottes Ebenbild mit all seinen Möglichkeiten und Grenz an. Ehrfurcht vor dem Leben als etwas Heiligem bleibe der menschlichen Verfügbarkeit entzogen. „Wer dieses Heilige vergisst oder bewusst ausschaltet, zerstört letztlich das Menschsein des Menschen“, warnte der Bischof.

Bischof Fürst sprach in Ravensburg bei einem Mediziner-Forum „Der Gläserne Mensch“. Der Titel seines Vortrags lautete „Designerbaby – Entwicklung in unserer Gesellschaft und die Würde des Menschen“.