Spirituelle Begleitung für stark belastete Lehrer

In einem Vortrag „Lehrergesundheit und spirituelle Bildung“ zum 40-jährigen Bestehen des Religionspädagogischen Instituts (RPI) in Ulm betonte die Leiterin der Hauptabteilung Schulen der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Donnerstag in Ulm, dass „überhöhtes Engagement bei verminderter Widerstandsfähigkeit und eingeschränktem Lebensgefühl“ ein besonderes Risiko für diese Berufsgruppe darstelle. Hier bestehe ein hoher Bedarf an Fortbildung, besonders in Form von Beratung, Persönlichkeitsbildung und spiritueller Bildung. Gerade spirituelle Bildung kann laut Seeliger dazu verhelfen, „engagiert zu bleiben, aber nicht alles von sich selbst und dem eigenen Einsatz zu erwarten.“

Das Ulmer Institut war am 11. Oktober 1967 durch Ekart Graf von Soden-Fraunhofen gegründet worden, zunächst als Außenstelle des RPI Stuttgart. Erster Leiter war der damalige Ulmer Religionslehrer und spätere Rottenburger Domkapitular Max Müller. Als eine der zentralen Aufgaben des RPI heute benannte Ordinariatsrätin Seeliger die spirituelle Begleitung. Sie gehöre neben der Förderung einer christlichen Erziehung und Bildung, der religionspädagogischen Beratung, der fachbezogenen Fort- und Weiterbildung der Religionspädagogen oder der Unterstützung der religionspädagogischen Arbeit in Kindergärten und Gemeinden ausdrücklich zu den Zielen der Einrichtung. Das RPI arbeitet auch mit anderen Institutionen zusammen, etwa mit der Ulmer Fachschule für Sozialpädagogik, der Evangelischen Medienstelle oder den Kreisbildstellen.

Einen zentralen Platz im Angebot des Instituts nimmt die Bibliothek ein. Den rund 700 Kunden aus Ulm, dem Alb-Donau-Kreis, dem Kreis Biberach und dem Kreis Neu-Ulm stehen nach Auskunft des Institutsleiters und Ulmer Schuldekans Michael Dahmen etwa 18.000 Titel zur Verfügung. Sie umfassen religionspädagogische Fachliteratur, praktische Unterrichtshilfen, audiovisuelle Medien, Modelle für die Sakramentenkatechese und Gottesdienstentwürfe. Dahmen weist darauf hin, dass die Angebote des Instituts bestens genutzt würden und das fünfköpfige Team gut ausgelastet sei. Rund 13.000 Titel werden in 2.200 Entleihvorgängen jährlich ausgeliehen. Ausleihen darf „jeder, der im Bereich der Glaubensweitergabe tätig ist“, betont Dahmen. Diese Offenheit gilt auch für die regionalen Angebote der Lehrerfortbildung, an der Lehrerinnen und Lehrer aus allen Schularten, auch evangelische Kollegen, größtenteils unentgeltlich teilnehmen können. Diese Veranstaltungen sind nach Auskunft von Dahmen in der Regel voll ausgebucht. Der Personenkreis, der die Angebote des Ulmer RPI nützt, besteht zu 70 Prozent aus Pädagogen, 30 Prozent sind in der Gemeindearbeit tätig.

Das Konzept der Diözese Rottenburg-Stuttgart, durch regionale Religionspädagogische Institute die Religionslehrerinnen und Religionslehrer in ihrer Arbeit zu unterstützen, ist in Deutschland einmalig. Sieben solcher Institute unterhält die Diözese. In einem eingetragenen Verein zusammengeschlossen sind die Institute in Schwäbisch Gmünd, Stuttgart, Ulm und Weingarten; weitere RPI-Standorte sind Heilbronn, Rottenburg und Rottweil.

Ausstellung zum Jubiläum

Im Ulmer RPI wird anlässlich des 40-Jahre-Jubiläums eine Ausstellung über die Entwicklung der Religionspädagogik im zeitgeschichtlichen Kontext präsentiert, die einen interessanten Spiegel der allgemeinen gesellschaftlichen, pädagogischen und kirchenpolitischen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte darstellt. Ältere Besucher erkennen noch den Katechismus ihres eigenen Religionsunterrichts wieder. Das Gründungsjahr 1967 war gekennzeichnet durch die bereits deutlich erkennbaren Herausforderungen der 68-er Zeit, die sich in einer „problemorientierten“ und an aktuellen Fragen der jungen Menschen ausgerichteten Religionspädagogik niederschlugen. War eine spätere Phase wieder stärker an einer Vermittlung von Glaubensinhalten ausgerichtet, so setzt seit einigen Jahren die Religionspädagogik auf Ganzheitlichkeit, die neben der inhaltlichen Auseinandersetzung auch Persönlichkeitsbildung im Blick hat, zu der Ästhetik, Emotionalität und Erlebnisaspekte ebenso gehören wie Spiritualität.

Weitere Infos: http://schulen.drs.de