Sproll wusste frühzeitig um die Gefahr

Nicht alle Umstände seines Wirkens und seines Widerstandes gegen den Nationalsozialismus seien bisher erforscht, so der Bischof. So zitierte er aus Gesprächsaufzeichnungen zwischen Sproll und dem Jesuiten Mario von Galli von 1934 in Stuttgart. Diese belegten, wie genau Bischof Sproll schon zu diesem frühen Zeitpunkt um die Bedrohung durch den Nationalsozialismus wusste. Er sah 1934 schon voraus, dass die NS-Ideologie antichristlich wirken werde: Mit von Galli vereinbarte er damals, dass alle die Priester, die frei sind, denen helfen sollten, die wegen ihres Glaubens im Gefängnis landen werden.

Zu Recht werde Sproll als Bekennerbischof bezeichnet, sagte der heutige Bischof von Rottenburg-Stuttgart. In schwieriger Zeit habe Sproll Zeugnis vom Glauben an Gott gegeben. Dieses Zeugnisgeben sei schon in der frühen Kirche eine wesentliche Dimension des Glaubens gewesen. Nicht nur in Zeiten, in denen die Christen bedroht werden, sei diese Dimension des Glaubens wichtig. Auch heute gelte es, entsprechend der Prioritäten in der Diözese, für das Leben von seinem Anfang bis zu seinem Ende einzutreten. „Aufstehen für das Leben“ lautet dementsprechend eine der Prioritäten der kommenden Jahre. Gemeint sei damit der Einsatz für das Leben überall da, was es schaden nimmt und bedroht ist.

Im April dieses Jahres war Bischof Gebhard Fürst mit eine hochkarätigen Delegation aus Politikern, Angehörigen und Wissenschaftlern nach Rom gereist, um zu Ehren der katholischen Opfer des Nationalsozialismus Joannes Baptista Sproll und Staatsminister Eugen Bolz Gedenkstücke in der Kirche der Heiligen des 20. Jahrhunderts, St. Bartolomeo, niederzulegen.