„Stadt als Lernort des Christentums von morgen“

Die Stadt sei Lernort des Christentums für morgen, sagte der Theologe am Donnerstag in Fellbach beim Bundeskongress der Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen im Bund Neudeutschland (KMF-ND) vor rund 600 Teilnehmern. Veränderungen in der Gesellschaft würden auch in der Kirche bisweilen spannungsvoll spürbar. „Nichts Menschliches in der Gesellschaft ist in der Kirche fremd, so schmerzlich diese Erfahrung manchmal auch sein mag“, betonte Drumm. Der am Freitag endende sechstägige Kongress steht unter dem Motto „Gott, die Stadt und die Menschen“.

Der Ordinariatsrat wies auf die Vielfältigkeit der modernen Gesellschaft und ihrer Milieus hin, die sich in den Städten besonders deutlich zeige. So hätten in der Landeshauptstadt Stuttgart 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. Menschen aus 170 Nationen lebten dort auf engstem Raum zusammen. Ein Drittel der Bürger sei katholisch, ein weiteres Drittel evangelisch, ein Drittel mit einer anderen oder ohne Religion. Wer als einzelner in dieser großen anonymen Masse nicht vereinsamen wolle, so Drumm, müsse offensiv Kontakte knüpfen. „Man muss sich gegenseitig aufsuchen im Strom des Stadtlebens.“

Drumm mahnte die Christen, sich nicht in Nischen zurückzuziehen, sondern christliches Leben in der Stadt an den „Alltagsvollzügen“ der Menschen auszurichten. Die gegenwärtig festzustellende Transformation des Religiösen sei zugleich eine Transformation des Christlichen selbst, betonte der in der Leitung der Diözese Rottenburg-Stuttgart für den Bereich Kirche und Gesellschaft zuständige Ordinariatsrat. „Das Christentum selbst ist dabei sich zu wandeln, indem die Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen zum Nachbarschaftsereignis geworden ist.“

Hinweis: Der Akademikerverband KMF wurde 1919 von Jesuiten als Schülerorganisation gegründet und hat heute nach eigenen Angaben bundesweit 5.000 Mitglieder.

Uwe Renz