Starke Familien als Signal für Zukunftswillen

Größere Wertschätzung für ein Leben mit Kindern und eine Neubesinnung auf dessen Sinngehalt wünscht sich der Bischof von Rottenburg-Stuttgart. „Das Gemeinwesen baut sich von der Familie her auf, nicht umgekehrt.“ Von der Familie und ihren Bedürfnissen her müsse das gesellschaftliche Leben gestaltet werden. Insofern sei Familienpolitik eine Querschnittsaufgabe der Politik, denn sie beträfe alle Bereiche der Politik.

Derzeit sei die Familie „strukturell und mentalitätsmäßig benachteiligt“, so Bischof Fürst. Familienarbeit werde zu wenig wertgeschätzt und durch verfehlte Abgabenpolitik benachteiligt. Der Bischof verwies darauf, dass sich die Lage der Familie seit 1961 kontinuierlich verschlechtert habe. Auf diese Weise werde den Familien die Wahrnehmung von Eigenverantwortung erschwert. Das gesamtgesellschaftliche Klima müsse familienfreundlicher werden, nicht allein in Bezug auf die äußeren Bedingungen. „Die Ermutigung zu einem Leben mit Kindern und eine Stärkung von Partnerschaft und Familie ist eine Herausforderung an alle gesellschaftlichen Kräfte“, sagte der Bischof. Eine solche Stärkung der Familienpolitik sei ein Zeichen dafür, dass Deutschland Zukunft wolle. Familien zu stärken sei eine zentrale Option für die Zukunft. Für die Diözese Rottenburg-Stuttgart habe die Stärkung der Familie schon heute eine klare Priorität.

Bischof Gebhard Fürst sprach sich zudem gegen eine reine Kosten-Nutzen-Rechnung im pflegerischen Bereich aus. Der Mensch werde zur Sache degradiert, wenn er etwa als Pflegefall nur unter technischen Aspekten betrachtet werde und den Verwaltern nicht mehr heilig ist. Die Kirche müsse in der Gesellschaft ein Wächteramt einnehmen. Sie verstehe sich als „Zeichen und Werkzeug von Heil und Sinn der Menschen und ihrer Gemeinschaft“, so der Bischof. Das christliche Bild vom Menschen liefere zwar keine rezepthaften Lösungen für konkrete politische Fragen, könne aber Kriterium und Korrektiv für politische Entscheidungen sein.