Starkes Vorbild des Mutes

Er kam 1876 in Stuttgart zur Welt, wurde 1899 im Rottenburger Dom zum Priester geweiht und war ein Jahr lang Vikar in Spaichingen, bevor er sich dem Jesuitenorden anschloss und später in der bayerischen Hauptstadt als „15. Nothelfer der Münchner“ verehrt wurde. Von den Nationalsozialisten, denen er mutig die Stirn bot, wurde er massiv drangsaliert, ins KZ Sachsenhausen verbracht und schließlich bis Kriegsende im Kloster Ettal interniert.

Den Auftakt zum Rupert-Mayer-Jahr bildet am 2. Mai ein Gottesdienst im Rottenburger Dom zum Gedenken an Pater Mayers Priesterweihe. Am 6. Mai hält Bischof Gebhard Fürst in der Spaichinger Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul ein Pontifikalamt; danach segnet er ein von dem Theologen und Künstler Uli Viereck gemaltes Portraitbild Mayers. Es wird im Spaichinger Edith-Stein-Gemeindehaus hängen. Der Segnung schließt sich eine Begegnung in der Rupert-Mayer-Schule, freie katholische Schule der Diözese, an. Die Schüler konzipierten zum Leben des „Apostels Münchens“ Unterrichtsprojekte mit Gebetswerkstatt, Liedaufführungen und Kunstobjekten. Präsentiert wird auch eine Ausstellung zum Leben des Paters.

Der Jesuitenpater wird zudem im Zentrum eines von Papst Benedikt XVI. für die Weltkirche angeregten Jahrs des Glaubens stehen, das er am 11. Oktober 2012 ausrufen wird. Für die württembergische Diözese eröffnet Bischof Fürst am 14. Oktober dieses Jahr, in dem Glaubenszeugen wie Pater Mayer, Bischof Sproll und Pater Jeningen als Glaubensvorbilder ins Bewusstsein gerückt werden.

Pater Mayer wurde am 23. Januar 1876 als Kaufmannssohn am Stuttgarter Marktplatz geboren. Am 8. Januar 1912 kam der 1899 in Rottenburg zum Priester geweihte Jesuitenpater nach München und wurde dort hoch angesehener Seelsorger. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich freiwillig als Feldgeistlicher. In den Karpaten verlor er 1916 sein linkes Bein durch eine Granate. Zurück in München hielt er Vorträge, half den Armen als „15. Nothelfer der Münchner“. So verteilte er Brot-Gutscheine; in St. Michael ließ er 1.500 Zentner Kraut verteilen.

Als die Nazis vermehrt Zuspruch erhielten, vermerkte Pater Mayer, ein deutscher Katholik könne niemals Nationalsozialist sein. Die Machthaber drangsalierten ihn und ließen ihn im Kloster Ettal isolieren. Im Mai 1945 zurückgekehrt, erlitt der Pater an Allerheiligen des Jahres in der Michaelskirche einen tödlichen Hirnschlag. Am 4. November wurde er auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach beigesetzt. Wegen des Ansturms zum Grab wurden seine Gebeine 1948 in die Unterkirche des Münchner Bürgersaals überführt. Am 26. Juni 1951 eröffnete Kardinal Faulhaber den Seligsprechungsprozess. Am 3. Mai 1987 sprach ihn Papst Johannes Paul II. selig.

Uwe Renz