Stellungnahme zu den Vorgängen um einen der sexuellen Übergriffe beschuldigten Pfarrer

Die Diözese musste nun zur Kenntnis nehmen, dass inzwischen durch die Medienberichterstattung der Name des beschuldigten Pfarrers sowie detaillierte Einzelheiten der gegen ihn erhobenen Vorwürfe öffentlich bekannt geworden sind. Sie betrachtet dies als eine inakzeptable Verletzung des Persönlichkeitsschutzes, den auch ein Beschuldigter beanspruchen darf, solange seine Schuld nicht bewiesen ist.

Die Vorgänge haben in den Gemeinden und in der Region, in der der beschuldigte Pfarrer bislang tätig ist, verständlicherweise Unverständnis und Nachfragen hervorgerufen. Deshalb seien im Folgenden noch einmal einige wichtige Punkte des bisherigen Verlaufs erläutert:

1. Als die Diözese Rottenburg-Stuttgart und die von Bischof Gebhard Fürst 2002 eingesetzte Kommission sexueller Missbrauch im Jahr 2008 von den Vorwürfen Kenntnis bekam, beauftragte sie den für die Ermittlungen zuständigen Diözesanrichter, die Hinweise vor Ort zu untersuchen. Die Vorwürfe konnten jedoch weder durch Aussagen des mutmaßlichen Opfers noch durch andere Erkenntnisse bestätigt oder gar bewiesen werden. Ein durch die Diözese in Auftrag gegebenes forensisches Gutachten attestierte dem Pfarrer ebenfalls keine pädophilen Neigungen.
2. Die Diözese blieb dennoch nicht untätig. Sie gab dem Pfarrer an anderem Ort einen seelsorgerlichen Auftrag, bei dem sie ihm allerdings die Kinder- und Jugendarbeit strikt untersagte. Außerdem informierte sie den mit ihm in der neuen Seelsorgeeinheit gemeinsam tätigen Pfarrer, ebenso den Dekan als Dienstvorgesetzten.
3. Die Diözese berücksichtigte damit den Grundsatz, dass sie niemandem auf Grund unbewiesener Beschuldigungen Sanktionen auferlegen darf, die einer Vorverurteilung gleichkämen. Sie folgte außerdem der Empfehlung von Fachleuten, dass eine dienstliche Beauftragung mit entsprechenden Auflagen und die Einbindung in ein soziales Netz und eine sorgfältige Kontrolle sowohl im Hinblick auf Dritte als auch auf den Beschuldigten selbst der beste Schutz und die wirksamste Prävention seien.
4. In jüngster Zeit hat sich nun eine Person gemeldet, die gegen den beschuldigten Pfarrer Vorwürfe erhebt, die an den Beginn der 1980er Jahre zurückreichen. Sollten diese Vorwürfe zutreffen, wären sie zwar verjährt. Sie haben die Kommission sexueller Missbrauch und die Diözese aber dazu veranlasst, alle Hinweise noch einmal einer erneuten Überprüfung zu unterziehen und auch den beschuldigten Pfarrer noch einmal zu vernehmen. Obwohl sich dadurch die auf jüngere Zeit zurückgehenden Vorwürfe auch weiterhin nicht erhärten ließen, hat sich die Diözese dennoch entschlossen, die Akten der Staatsanwaltschaft zu übergeben, damit diese Vorgänge weiter klärt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern derzeit an; zu den Vorwürfen selbst wird sich daher die Diözese bis zur abschließenden Klärung nicht mehr äußern.
5. Auf Anordnung von Bischof Gebhard Fürst wird der beschuldigte Pfarrer seine Dienstgeschäfte bis auf weiteres ruhen lassen.