Symbole entschlüsselt und Leben erschlossen

Die Arbeiten von Oberstufen-Gymnasiasten aus ganz Baden-Württemberg zeigten, in welch tiefem christlichen Boden die Kultur in Deutschland und Europa wurzele, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Mittwoch in Stuttgart bei der Übergabe der Auszeichnungen an die Preisträger des Wettbewerbs „Christentum und Kultur“. Er wird seit dem Schuljahr 2002/2003 jährlich von den beiden großen Kirchen im Land ausgelobt.

Die beiden ersten Plätze belegten in diesem Jahr Karl-Philipp Flösch aus Breisach und Alisa Trojanski aus Karlsruhe. Flösch hatte einen Text eingereicht mit dem Titel „Nichts erschrecke dich – Leben an leidgeprägten Orten am Beispiel des Berliner Karmel Regina Martyrum“; Trojanski bewarb sich mit einer Arbeit zum Thema „Leben im Kloster – wider die Natur des Menschen?“. Außer den beiden mit jeweils 500 Euro dotierten ersten Preisen wurden zwei mit jeweils 300 Euro ausgestattete zweite sowie acht dritte Preise mit jeweils 200 Euro vergeben. Sechs weitere Schüler erhielten Buchpreise. 145 Schüler aus dem ganzen Land hatten 113 Arbeiten eingereicht.

In seiner Ansprache zeigte Bischof Fürst am Beispiel des Kreuzes, dass christliche Zeichen, Symbole und Rituale stets neuer Übersetzung und Entschlüsselung bedürften. Auch wenn Rosenkränze als Halsschmuck bei Jugendlichen „trendy“ seien, so müsse doch die Botschaft christlicher Zeichen und Bilder immer wieder neu erschlossen werden. Wenn Kranke und Sterbende im Mittelalter das Bild des Gekreuzigten gesehen hätten, so der Bischof, dann hätten sie verstanden, dass Gott bis ins tiefste Leid und den größten Schmerz bei ihnen sei. „Wer sieht dies heute noch mit, wer hört diese Botschaft noch mit, wenn er dieses Bild anschaut?“

Diese kulturelle Übersetzungsarbeit zu leisten sei auch Aufgabe des Religionsunterrichts, betonte Bischof Fürst. So lasse sich etwa die Bergpredigt Jesu auch heute auf ganz aktuelle moderne Konfliktsituationen beziehen. In ihr werde eine Haltung angeboten, „die konsequente Entfeindung bewirken und die Gefahr eines eskalierenden Streites bannen kann“. Dafür stehe nach den Evangelien das „Kreuz als Zeichen unbedingter Versöhnung und einer Liebe, die vor der Selbsthingabe nicht zurückschreckt“. Schülern und Lehrern dankte der Bischof für deren Engagement, Kreativität und Fleiß. Der Wettbewerb habe neu gezeigt, wie ernsthaft und kompetent sich junge Menschen mit existenziellen Fragestellungen befassen.

Uwe Renz