„Trauen wir dem Geist, von dem wir geführt werden.“

Dies hat Bischof Gebhard Fürst am Pfingstsonntag, 12. Juni, im Rottenburger Dom St. Martinus betont. Die Formulierung „aus der Kraft des Heiligen Geistes“ sei das Entscheidende an diesem Prozess und werde oft übersehen, wenn nur kurz vom „Dialogprozess“ die Rede sei. Die Bibeltexte zum Pfingstfest machten deutlich, dass sowohl das Geschenk des Friedens als auch die Beauftragung und Aussendung der getauften und gefirmten Christen zuinnerst mit dem Heiligen Geist zu hätten, so Bischof Fürst. Und weiter: „Weder der innere Friede noch die Kraft zur missionarischen Sendung kommt aus uns selbst.“ Es müsse um Erneuerung aus dem Geist gehen, der am Pfingstfest auf die Apostel und auf die ganze Kirche herabkomme und der alle Christen erfülle. Um diese Gottesgabe müsse immer wieder neu gebetet werden, sagte der Bischof.

Für viele sei die Rede vom Heiligen Geist etwas Abstraktes, viel weniger fassbar als Jesus von Nazareth, ein Mensch von Fleisch und Blut. Aber zwischen Jesus Christus und dem Heiligen Geist bestehe ein innerer Zusammenhang. „Der Geist erinnert Christus“, zitierte Bischof Fürst die antiken Kirchenväter. Am Leben Jesu von Nazareth, an seinen Worten und Taten werde „dieser kraftvolle, Leben und Handeln leitende Geist erfahrbar und anschaulich“. Jesus rede nicht nur vom Geist, sondern er lebe und wirke aus diesem ihn erfüllenden Geist. An Jesus Christus werde deutlich, wie der Geist Gottes wirke: „heilend, befreiend, rettend, erlösend“.

Diese Christuserinnerung, so der Bischof, sei der Maßstab, ob der Geist aus Gott stamme oder ob er eine „bloß selbstgemachte Idee, eine Kopfgeburt“ sei. Im Blick auf den jetzt begonnenen Dialog- und Erneuerungsprozess erlebe er viel Zuversicht, aber auch Skepsis. Das Pfingstfest sei die Gegenbotschaft zur Resignation. „Trauen wir diesem Geist, dem in Jesus Christus wirkenden Geist, von dem wir geführt werden“, ermutigte Bischof Fürst seine Zuhörer.

Dr. Thomas Broch