Trauer und Abscheu über die Schändung jüdischer Gräber

Unbekannte Täter hatten in der in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gelegenen Ortschaft Dutzende jüdischer Grabsteine beschädigt oder mit Naziparolen besprüht. „Die Vernichtung jüdischen Lebens soll wohl immer wieder dadurch symbolisch wiederholt werden, dass die Gräber der jüdischen Toten zerstört werden“, sagte Bischof Fürst. Dadurch werde das Andenken der verstorbenen jüdischen Mitbürger und der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen stets neu verhöhnt. Aber auch die heute wieder unter uns lebenden Juden und die wieder erstarkten jüdischen Gemeinden würden durch solche Untaten bedroht und verunsichert. „Ihnen gilt meine ausdrückliche Solidarität und sicher auch die Solidarität aller anständigen Menschen in unserem Land“, sagte der Bischof.

Bischof Fürst nannte es erschreckend, dass der Antisemitismus immer wieder neu zutage trete, „nicht als flüchtiger Spuk, sondern leider als feste Konstante in den Köpfen vieler Unbelehrbarer“. Antisemitismus sei nicht nur „eine auf keinen Fall hinnehmbare Aggression gegen jüdische Menschen“. Er sei auch ein Angriff auf die gemeinsamen Fundamente des jüdischen und des christlichen Glaubens, betonte der Bischof. „Die Bibel sagt uns, dass Gott bis heute zu dem Bund steht, den er mit Israel geschlossen hat. Der Glaube an Gottes unerschütterliche Treue verbindet Juden und Christen“, sagte der Bischof. „Der Antisemitismus ist eine Verhöhnung dieses gemeinsamen Glaubens.“

Die verdeckten oder sogar offenen Sympathien mit den Verbrechen der Nationalsozialisten, die mit dem Antisemitismus Hand in Hand gehen, müssten die Wachsamkeit und den entschiedenen Widerstand aller demokratisch und rechtsstaatlich gesinnten Menschen hervorrufen, betonte Bischof Fürst. Sie machten aber auch deutlich, wie dringend eine entsprechende Aufklärungsarbeit bei jungen Menschen sei.