Trotz Sparzwängen investiert die Diözese in Nachhaltigkeit

Dies war eine der zahlreichen einander widersprechenden Positionen, die die Tagung mit dem Titel „Sonne auf unseren Dächern“ kennzeichnete, zu der die Akademie, die Fachstelle „Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung“ und der Diözesanausschuss „Nachhaltige Entwicklung“ gemeinsam am Freitag und Samstag nach Rottenburg eingeladen hatten. Die Räumlichkeiten des Bischöflichen Ordinariats, ursprünglich dafür vorgesehen, waren zu klein, um die weit über 100 Teilnehmer zu fassen, die sich angemeldet hatten. Kurzfristig wurde so die Mensa des St.-Meinrad-Gymnasiums zum Tagungsort.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Klima-Initiative“ statt, die die Diözese im letzten Sommer gestartet hat. Einig waren sich alle Referenten darin, dass Klimawandel, Umweltzerstörung, steigende Energiekosten, wachsender Energiebedarf bei abnehmenden Vorräten fossiler Energiequellen dringend eine Kehrtwende im Bewusstsein und im praktischen Handeln verlangen. Deshalb setzt die Diözese trotz ehrgeiziger Sparziele hier einen pastoralen Schwerpunkt für die kommenden Jahre und investiert erhebliche Mittel.

Dass Solarenergie und Solartechnik eine wichtige Rolle im Konzert der notwendigen Maßnahmen spielen, wurde auf der Tagung nicht bestritten. Nicht von ungefähr haben inzwischen rund 70 der etwa 1.000 Kirchengemeinden der Diözese Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern installiert, ebenso viele sind mit entsprechenden Planungen befasst. Praktiker aus der Diözese stellten Modelle der Realisierung vor, so etwa Kooperationen von Kirchengemeinde und Kommune oder Gesellschaften Bürgerlichen Rechts als Träger von Photovoltaik-Anlagen. Dass sich dies „rechnet“, konnten sie an Beispielen quer durch die Diözese veranschaulichen. Allerdings machte der Vertreter des baden-württembergischen Umweltministeriums, Albrecht Rittmann, auf der Tagung auch deutlich, man dürfe sich nicht „einseitig auf Photovoltaik versteifen“, da diese derzeit noch ein sehr ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweise. Er empfahl eine integrierte Betrachtungsweise, die die verschiedenen Möglichkeiten ökologisch orientierter Energieerzeugung im konkreten Für und Wider abwäge und bedarfsgerecht einsetze. Er forderte aber auch einen „Quantensprung“ bei der Entwicklung innovativer Technologien und entsprechende Investitionen in die Forschung. Mit der heutigen Technik, so Rittmann, „laufen die Probleme aus dem Ruder“. Vor allem aber wies er auf die Aufgabe der Kirchen hin, zu einem nachhaltigen Lebensstil zu motivieren und bereits bei den Kindern eine entsprechende Bewusstseinsbildung zu fördern. Ohne „asketische Überanstrengung“ gebe es viele Entscheidungsmöglichkeiten im Alltag, zum Klimaschutz beizutragen. Als Beispiele nannte er die Nutzung von Stand-by-Geräten, die Beleuchtung, das persönliche Mobilitätsverhalten, aber auch Investitionsentscheidungen beim Heizsystem.

Dass Nachhaltigkeit ein Zusammenwirken wirtschaftlicher, sozialer, ökologischer und ethischer Aspekte bedeute, machte Generalvikar Clemens Stroppel deutlich. In diesem Sinn interpretierte er den Tagungsgästen auch die Klima-Initiative der Diözese. Sie enthält wirtschaftliche Anreize zur Einrichtung von solartechnischen Anlagen, sie stellt diese aber in Zusammenhang mit einem umfassenden ökologischen Entwicklungskonzept für die etwa 5.000 kirchlichen Gebäude in der Diözese. Breiten Raum nehmen in der Klima-Initiative der Diözese Rottenburg-Stuttgart auch Maßnahmen der Bewusstseinsbildung ein, so etwa ein Projekt des Umweltmanagements für Mitarbeitende und Multiplikatoren in den Kirchengemeinden oder die Zertifizierung der kirchlichen Tagungshäuser nach einem Bewertungssystem der EU. Nachhaltigkeit bedeute, so Stroppel, auch soziale Verantwortung. Investitionen in die Ökologie seien soziale Investitionen. Darüber hinaus aber stelle die Diözese auch erhebliche Mittel etwa für die Altenseelsorge oder für die Stärkung der Familien zur Verfügung. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stelle sich der Herausforderung, trotz gebotener Sparzwänge deutliche Akzente der Gestaltung zu setzen. Die Nachhaltigkeit in ihrem Zusammenspiel von Sozialem, Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Bewusstseinsbildung gehöre zentral dazu.

Dass Umweltethik zunächst einmal bedeute, sich auf die „innere Vernünftigkeit“ der Natur einzulassen und mit wissenschaftlichem Sachverstand zu handeln, erläuterte Bischof Gebhard Fürst in seinem Abschlussreferat. Der Gedanke der „Bewahrung der Schöpfung“ könne zur „Leerformel“ werden, wenn er nicht in den Realitäten „geerdet“ werde, sagte der Bischof. Allerdings mache der Schöpfungsgedanke die Verantwortung gegenüber dem Schöpfergott deutlich und bringe so den Aspekt der „Dankbarkeit für das wunderbare Geschenk einer guten Schöpfung“ zum Ausdruck, ebenso aber auch eine Verantwortung von unbedingter Verbindlichkeit. Der Schöpfungsglaube sei kein inhaltlicher Zusatz zu wissenschaftlichen ökologischen Erkenntnissen und Notwendigkeiten, wohl aber bedeute er eine besondere Motivation und eine „erhebliche Radikalisierung“ der Verantwortung. „Wir sind nicht Shareholder, sondern Treuhänder der Schöpfung, die uns zur Gestaltung und Pflege anvertraut ist“, sagte der Bischof.