„Trügerische Statistik“

Viele von jenen Menschen, die aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden seien, befänden sich inzwischen in so genannten Mini-Jobs, Ein-Euro-Jobs, in befristeten oder in Leiharbeitsverträgen sowie in Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. „Die Statistik ist trügerisch“, mahnte Drumm. Tatsächlich sei die Zahl sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse von 2000 bis 2006 um mehr als eine halbe Million gesunken, während im gleichen Zeitraum die der geringfügig Beschäftigten um knapp drei Millionen zunahm. Jeder sechste bis siebte Arbeitsvertrag sei nur befristet. „Diese Entwicklung ist bedrohlich.“

Die Kirche werde deswegen Angebote zur Qualifizierung von gering Qualifizierten wie die der AJO aufrecht erhalten und nach Kräften ausbauen, betonte der Ordinariatsrat. Immerhin habe jeder vierte Arbeitslose keinen qualifizierten Berufsabschluss. Drumm betonte, dass auch bei guter Konjunkturentwicklung ein Sockel an Arbeitslosen bestehen bleiben werde. Gering qualifizierte Arbeit suchende junge Leute seien besonders hart getroffen. Von den 20- bis 25-Jährigen habe nur jeder zweite einen festen Arbeitsvertrag in der Tasche, unter den 25- bis 30-Jährigen müsse jeder fünfte mit einem befristeten Vertrag leben. „Wie sollen diese jungen Menschen eine Familie gründen und Kindern das Leben schenken?“, fragte Drumm. Er plädierte außer für Qualifizierungsmaßnahmen für den Ausbau eines dritten Arbeitsmarktes. „Es ist besser, Arbeit zu bezahlen als Arbeitslosigkeit zu finanzieren.“

Die AJO wurde 1987 von der katholischen Gesamtkirchengemeinde Aalen und Einrichtungen des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes auf Initiative der Stadt Aalen als eingetragener gemeinnütziger Verein gegründet. Sie betreibt derzeit rund zehn Projekte, darunter Förderprojekte für Jugendliche und für erwachsene Frauen, die Arbeitslosengeld II beziehen, ein Patinnenprojekt für türkische Mädchen, ein landkreisweites „Projekt Zukunft“ an Hauptschulen zur Klärung beruflicher Kompetenzen und einen Secondhand-Laden. Laut AJO nehmen jährlich 55 junge Leute am Projekt Jugendagentur teil, in dem sie sich für einen Arbeitsplatz fit machen lassen. Nach Ende des Projekts können 70 Prozent der Teilnehmer an einen Arbeitgeber vermittelt werden, heißt es bei der AJO. Ins Frauenprojekt nimmt die Aktion jedes Jahr 80 Teilnehmerinnen auf, darunter in der Regel Migrantinnen, Spätaussiedlerinnen und Alleinerziehende mit mehreren Kindern. Vier von fünf Frauen können jedes Jahr laut AJO nach Abschluss des sechsmonatigen Projekts einen Arbeitsplatz erhalten, vom 440-Euro-Job bis zur sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstelle. Im Jugendprojekt steht derzeit der Bau eines Limes-Turms auf dem Plan. Im Ausbildungsprojekt „Schulkantine“ können sich gering qualifizierte Frauen zu staatlich geprüften Hauswirtschafterinnen ausbilden lassen.

Kontakt: AJO – Jugendberufshilfe im Ostalbkreis, Geschäftsführerin Petra Walter, Aalstraße 14/1, 73430 Aalen, Telefon (07361) 6053, Email: info(at)ojaev.de.