Über das Plus der Rottenburger

Aus diesem reichen Fundus an Anekdoten- und Detailkenntnis schöpft Dieter Manz. Jetzt hat er mit seinem Buch „Urbs pia, die fromme Stadt Rottenburg“ die Stadtgeschichte unter dem Aspekt des religiösen Lebens und der religiös geprägten Kultur untersucht. Herausgekommen ist ein Buch für Rottenburger, die wissen wollen, wieso sie das sind, was sie sind. Ein Buch für Christen aus der ganzen Diözese Rottenburg-Stuttgart, die nach ihren Wurzeln suchen. Ein Buch, das die Sicht auf die Stadt Rottenburg und die Württemberger Diözese verändert.

Dieter Manz beschränkt sich. Auf 100 Seiten schildert er die Geschichte Rottenburgs, in der die Geschichte des gesamten Südwestens Deutschlands wie im Brennglas aufleuchtet. Dabei hat Rottenburg mehr Katastrophen erlebt als mach andere Stadt im Südwesten. Klimawandel, Krieg, Pest und Stadtbrände, die Stadtgeschichte Rottenburgs liest sich zeitweilig wie die Geschichte der zehn Plagen in der Bibel. Immer kam es noch schlimmer; eine Aneinanderreihung von schweren Schicksalsschlägen für die Bürger von Rottenburg. Doch von den Anfängen der Stadt in der Frühgeschichte an bis in die Gegenwart hat der Glauben den Menschen geholfen, ihr schweres Schicksal zu ertragen, mehr noch, das Schicksal zu wenden. Wie ein roter Faden zieht sich der Glauben der Menschen durch die Stadtgeschichte und trägt die Bewohner durch die Jahrhunderte. Rottenburg ist keine frömmelnde Stadt, es ist eine fromme Stadt, deren Glauben durch die Not trägt.

Die Stadt Rottenburg lebt aus der Frömmigkeit. Sie lebt auch von der Frömmigkeit. Eng ist denn auch die Verknüpfung der Frömmigkeit der Menschen mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Stadt. Das zeigt Dieter Manz nicht allein mit 850 Biografien von Rottenburger Geistlichen. Auch die Ordensgemeinschaften oder Bruderschaften, die religiösen Kunsthandwerker und Orgelbauer festigten den Ruf einer frommen Stadt. Kein Wunder also, dass Anfang des 19. Jahrhunderts Rottenburg zum Bischofssitz auserkoren wurde, obwohl es in anderen Teilen der Diözese prunkvollere Kirchenbauten gab und in Stuttgart sich die politische und wirtschaftliche Macht bündelte. Rottenburgs Plus war die Frömmigkeit ihrer Bewohner, das weist Dieter Manz eindrucksvoll nach.

Heute kann man die Spuren dieser Frömmigkeit an allen Ecken und Enden der Stadt wieder entdecken: die großen Kirchen und die kleinen Kapellen rund um die Stadt, die Tafelbilder an den Häusern und die Bildstöcke, das Brauchtum, die Prozessionen und Krippen. Dieter Manz hat in seinem Buch über die Urbs Pia eine große Menge auch heute noch wunderbar erhaltener Kunstwerke abgebildet und geistreich beschrieben. So wird das Buch zu einem Stadtführer der sakrale Kunst Rottenburgs.

Wer wissen will, was Rottenburg ausmacht, wer wissen will, wieso die Stadt auch heute noch als Bischofsstadt eine derartige Strahlkraft für die gesamte Württembergische Diözese besitzt, der sollte sich von Dieter Manz durch die Stadt führen lassen. Sein Blick auf die Frömmigkeitsgeschichte Rottenburgs eröffnet eine neue Perspektive, ihre Vergangenheit und Gegenwart. Die Stadt Rottenburg erscheint in einem neuen, helleren Licht.

Eckhard Raabe/ Pressemitteilung Dr. Thomas Broch

„Urbs pia – die fromme Stadt Rottenburg“ von Dieter Manz ist im Kunstverlag Josef Fink erschienen, ist reich bebildert und kostet 24 Euro (ISBN 978-3-89870-596-7)