Um unseres Heiles willen

Deshalb sei auch der erste Weg der Kirche der Menschen, so der Bischof. „Jesus hält bis zum Äußersten seine Treue zu Menschen durch, um ihnen neues Leben zu erschließen und zu schenken“, so Bischof Fürst.

Seinem Wahlspruch entsprechend zogen sich denn auch im vergangenen Jahr zwei Themen wie ein roter Faden durch die Predigten und Ansprachen von Bischof Gebhard Fürst: die Bedeutung der diakonische Dimension der Kirche und der hohe Stellenwert der Familie für Kirche und Gesellschaft.

Immer wieder hob der Bischof im vergangenen Amtsjahr die Bedeutung der diakonischen Dimension der Kirche hervor. Die Kirche müsse sich von der Volkskirche zur missionarischen Kirche wandeln und in der Zuwendung zu den Schwachen in der Gesellschaft diesen Auftrag erfüllen. Zur Stärkung dieses Auftrags berief der Bischof eine weitere Frau in die Leitung der Diözese. Die Caritasdirektorin Irme Stetter-Karp wurde zur Leiterin der Hauptabteilung Caritas ernannt. Nicht nur bei der „Woche für das Leben“ im Mai dieses Jahres oder der Einweihung neuer Gebäude der Familienerholungsstätte in Eglofs im September, sondern auch bei vielen anderen Anlässen betonte der Bischof, dass starke Familien ein Signal für den Zukunftswillen der Gesellschaft und ihr eigentliches Kapital seien.

Wichtige Akzente setzte Bischof Fürst auch beim Begegnungstag mit arbeitslosen Menschen im Oktober 2005, bei dem er das Gespräch mit Arbeitslosen suchte. Bei seiner dritten Pastoralreise nach Kuba und Guatemala Anfang Februar dieses Jahres besuchte er die vielfältigen Projekte, die die Diözese in den beiden Ländern zum Wohl der Menschen betreibt. Mit der Niederlegung von Erinnerungsstücken an Bischof Sproll und Eugen Bolz in der römischen Kirche St. Bartolomeo im darauf folgenden April erinnerte der Bischof an die beiden Opfer des Nationalsozialismus und machte deutlich, dass zum Christ sein zu jeder Zeit auch das Zeugnis des Glaubens gehöre.

Die große Bedeutung der Laien in der Kirche hat der Bischof bei den zentralen Gedenktagen im vergangenen Amtsjahr herausgestellt. So jährten sich die Diözesansynode zum 20. und das Zweite Vatikanische Konzil zum 40. Mal. Auch bei den Kirchengemeinderatswahlen im Herbst 2005, bei der knapp 10.000 Räte neu gewählt wurden, betonte der Bischof ebenso die wichtige Rolle der Laien in der Kirche.

Das Jugendforum mit seinen 4.500 Besuchern und der Sternwallfahrt, bei der viele Jugendliche zu Fuß, mit dem Rad oder auf Inlinern unterwegs waren, zeigte, wie jung die katholische Kirche in Württemberg ist und wie viel Kraft in ihr steckt. Der Dialog mit dem Islam gewann in den vergangenen Monaten durch die größer werdende weltweite terroristische Bedrohung immer mehr an Bedeutung. Bischof Gebhard Fürst lud deshalb zum ersten Mal Vertreter der islamischen Vereinigungen in seinen Bischofssitz zu einem Gespräch ein. Einmal jährlich wird dieses Gespräch der Religionen fortgesetzt.
Mit seiner Verurteilung der verbrauchenden Embryonenforschung meldete sich Bischof Fürst zu den Beschlüssen der Europäischen Union zu Wort. Der Mensch sei Mensch von Anfang an, betonte der Bischof. Die Menschenwürde dürfe weder am Anfang des Lebens noch an seinem Ende verletzt werden.