Um unseres Heiles willen

Zwei herausragende Ereignisse haben in den vergangenen fünf Jahren die Diözese geprägt und in das Licht der Öffentlichkeit gerückt: Das 175-jährige Jubiläum und der Katholikentag in Ulm. Verschiedene über das ganze Jahr verteilte Veranstaltungen setzten das Motto des 175-jährigen Jubiläums „Gott und den Menschen nahe“ in vielfältiger Weise um. Bei der Eröffnung des renovierten Doms 2003 und den zentralen Feiern in Rottenburg und Stuttgart hob der Bischof die große Bedeutung der Liturgie für die Kirche und ihr Wirken in der Welt hervor. Beim Katholikentag 2004 in Ulm standen die Fragen rund um das Leben im Zentrum der Veranstaltungen. Das Motto „Leben aus Gottes Kraft“ zog sich wie ein roter Faden durch die vier Tage in Ulm. Bischof Fürst trat dabei immer wieder für den Schutz des Lebens von seinem Anfang bis zu seinem Ende ein.

Als ausgewiesener Kenner in Fragen der Bioethik und Mitglied des Nationalen Ethikrats setzte sich Fürst in den vergangenen fünf Jahren für den Schutz des Lebens in allen Phasen und Facetten ein. Nicht das durch Forschung und Wissenschaft Machbare sei das letzte Maß des Handelns, sondern die Ausrichtung an der Menschenwürde aufgrund seiner Gottesebenbildlichkeit. Der Mensch müsse sich daran erinnern, dass nicht er selbst, sondern Gott der Schöpfer ist. Die neuen Biotechnologien, so Fürst, seien eine zentrale Bewährungsprobe für das christliche Verständnis vom Menschen. Deshalb bezog der Bischof gerade bei biotechnischen Neuerungen klar Position.

Als Bischof trat Gebhard Fürst in den vergangenen fünf Jahren an vielen Orten in der Diözese und zu unterschiedlichsten Anlässen gemäß seinem Wahlspruch für das Heil der Menschen ein. Bei den Besuchen der Kirchengemeinden, sozialen Einrichtungen, beim Einsatz für die christliche Bestattungskultur und die Würdigung der Betreuung Sterbender wird deutlich, wie umfassend sein Einsatz für das Leben in der Diözese und darüber hinaus bundesweit ist. Die Erhaltung der Schöpfung ist für Fürst eine zentrale Bedingung menschlichen Lebens. Die zu Beginn seiner Amtszeit auf dem Dach des Bischofshauses installierte Photovoltaikanlage setzte dafür ein Zeichen.

Eine wichtige Weichenstellung für die Seelsorge der Kirche in der Diözese nahm Bischof Fürst durch die Entwicklung der Pastoralen Prioritäten vor. In einem jahrelangen Beratungs- und Konsultationsverfahren mit dem Diözesanrat und dem Priesterrat und auf allen Ebenen der Kirche wurden die zukünftigen Schwerpunkte der kirchlichen Arbeit beraten. Dem Wunsch des Bischofs entsprechend wurden diese Schwerpunkte im Dialog entwickelt, bis sie von ihm verabschiedet wurden. Danach wurden die Posterioritäten formuliert, die Dinge, die in Zukunft nachrangig zu behandeln sind.

Dem Wandel unterliegen auch die Kirchengemeinden. Schon vor dem Amtsantritt von Bischof Fürst wurden die Gemeinden in Seelsorgeeinheiten zusammengefasst. Ihre Umsetzung mit all den Problemen, die eine Veränderung gewachsener kirchlicher Strukturen mit sich bringen, durchzog die gesamte bisherige Amtszeit. Dass in diesem Prozess der Pastoral dienliche, zeitgemäße und menschengerechte Strukturen entstehen, war und ist ein Anliegen von Bischof Fürst. Entsprechend gewandelt hat sich auch die Diözesankurie, die Verwaltung des Bischofs. Effektiver und schlanker soll sie agieren, aber dennoch nicht das Wesentliche aus den Augen verlieren: die Verkündigung des Evangeliums zum Heil der Menschen. Die modernen Instrumente der Unternehmensführung, wie z.B. Personalentwicklung, Formulierung eines Leitbildes oder der Einsatz moderner Kommunikationsmittel dienen dem Bischof dazu, seine Mitarbeiter zum heilsamen Engagement in Kirche und Welt zu befähigen.

Wichtige Personalentscheidungen, wie die Neubesetzung des Amtes des Generalvikars durch Dr. Clemens Stroppel, verjüngten den Stab des Bischofs und weisen den Weg in die Zukunft. In Angriff genommen ist die Umstrukturierung der mittleren Ebene mit der Zusammenfassung der Dekanate. Dadurch soll eine verbesserte Organisation der Dekanate zur Stärkung der Pastoral und Bündelung der Kräfte entstehen.

Die Kirche für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten und dabei immer das Heil des Menschen im Auge zu behalten, das ist das Grundanliegen von Bischof Gebhard Fürst. Mit seiner den Menschen zugewandten Art lebt er das, was er nicht nur von der Kirche, sondern auch von der Gesellschaft fordert: dass sie um des Menschen willen, zu seinem Wohl und zu seinem Heil da ist. In der persönlichen Begegnung auch mit den Menschen anderer Konfessionen und Religionen schlägt er Brücken, aus denen tragfähige Beziehungen erwachsen.

Bei seinen Pastoralbesuchen in Lateinamerika und Tansania hat er viele Zeichen der Verbundenheit gesetzt, aber auch konkrete Hilfsmaßnahmen für die ärmsten Länder der Erde vermitteln können. Angesichts der Attentate des 11. Septembers in New York, der Tsunamiwelle im Indischen Ozean oder jüngst der Flutkatastrophe in New Orleans zeigte Fürst, dass er sein Amt als ein katholisches Amt in weltumspannender Verantwortung wahrnimmt.

Am Vorabend des Jubiläums, am Freitag, 16. September 2005, feiert Bischof Gebhard Fürst um 18:00 Uhr ein Pontifikalamt im Rottenburger Dom.