Unbeirrt gegen NS-Wahn in Ehrfurcht vor Gott

Rottenburg. 20. Mai 2015. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart eröffnet am Freitagabend das Seligsprechungsverfahren für den am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee vom NS-Regime enthaupteten ehemaligen württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz. Sein Leichnam wurde verbrannt, seine Asche zerstreut. Die Feier in Bolz' Rottenburger Heimatkirche St. Moriz bildet den Auftakt zu dem Prozess. Nach mindestens einem Jahr wird das Bischöfliche Ordinariat die aufbereiteten Prozessunterlagen zum Vatikan schicken. Ob und wann die Seligsprechung erfolgen wird, steht noch nicht fest. Bolz soll als Blutzeuge für den christlichen Glauben, als Märtyrer, seliggesprochen werden.

Bolz, letzter Staatspräsident des Landes Württemberg, war den Nationalsozialisten bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wegen seiner im christlichen Glauben gründenden Grundhaltung verhasst. Sie richteten den Politiker, der sich 1942 dem Widerstandskreis um Carl-Friedrich Goerdeler angeschlossen hatte, wegen Defätismus, Hochverrat und Feindbegünstigung hin. Bolz sollte Plänen des Goerdeler-Kreises zufolge nach dem Ende des Naziregimes Kulturminister in Deutschland werden. Bereits 1933 war Bolz schon einmal verhaftet worden. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis Hohenasperg bei Stuttgart befasste er sich intensiv mit päpstlichen Sozialenzykliken und pflegte Kontakte zum Kloster Beuron, für das er als Steuerberater arbeitet. Auch beriet er den Caritasverband in Stuttgart.

Für eine Seligsprechung als Märtyrer müssen drei Kriterien erfüllt sein: die Tatsache des gewaltsamen Todes, der Glaubens- und Kirchenhass seiner Verfolger sowie die Bereitschaft des Glaubenszeugen, den Willen Gottes innerlich angenommen zu haben. Vom NS-Verfahren gegen Bolz liegen außer dem Urteil keine Dokumente vor; es existieren nur Fotos des hageren und gebeugten Mannes vor dem Präsidenten des NS-Volksgerichtshofs, Roland Freisler. Begleiter von Bolz berichten, unter anderen die ebenfalls hingerichteten James Graf von Moltke und Jesuitenpater Josef Delp, der Politiker aus Rottenburg sei seinen Weg konsequent in Ehrfurcht vor Gott gegangen. Sein Lebensmotto war Psalm 111 entnommen: „Die (Ehr)Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit“. Diesen Psalmvers hatte er in die Tür seines Bücherschrankes eingravieren lassen. Folgender Satz ist von Bolz überliefert: „Es gibt keine größere Tugend als sich selbst zu überwinden und keine größere Weisheit als die Geringschätzung äußerer Ehren. Davon kommt die Größe und Überlegenheit vieler einfacher Menschen, dass ihnen der Glaube an den einen Gott alles klar und leicht macht.“

In der römischen Kirche San Bartolomeo auf der Tiberinsel, Gedenkkirche der Märtyrer des 20. Jahrhunderts, ist in einer Vitrine eine kleine Hostientasche zu sehen. Bolz' Ehefrau Maria und Tochter Mechthild brachten an Silvester 1944 in dieser Tasche dem zum Tod verurteilten Ehemann und Vater die heilige Kommunion ins Gefängnis Plötzensee. Einen Monat zuvor, am Tag des Todesurteils, hatte Bolz Frau und Tochter geschrieben: Ich habe mich innerlich, religiös in Monaten darauf eingestellt. Ich nehme es hin als das mir von Gott bestimmte Kreuz.“ Nach dem Überbringen der heiligen Kommunion notierte Ehefrau Maria: „Er ist so innerlich geworden, dass man förmlich fühlt, er lebt ganz in Gott.“

Uwe Renz

An die Redaktionen: Zur Berichterstattung über die Eröffnung des Verfahren zur Seligsprechung von Eugen Bolz sind Sie herzlich eingeladen. Die Feier beginnt am Freitag, 22. Mai, um 18 Uhr in der Rottenburger Kirche St. Moriz.