„Unglaublicher Irrweg“

Bischof Fürst ist Vorsitzender der Unterkommission Bioethik und gehörte dem Nationalen Ethikrat von 2001 bis 2005 an. Er nimmt derzeit am 97. Deutschen Katholikentag in Osnabrück teil.

Bischof Fürst beklagte heftige Wissens- und Gewissensdefizite der britischen Politiker. Er nehme an, dass die Parlamentarier letztlich gar nicht genau wussten, worüber sie mit einer Mehrheit von 336 gegen 176 abstimmten. „Das ist meine Befürchtung – um so schlimmer, ich bin bestürzt“, ergänzte der Bischof. Den Parlamentariern hätte klar sein müssen, dass bei der Chimärenbildung tierisches und menschliches Erbgut „quasi in einem Zeugungsakt vereinigt“ werde. Mit seiner Entscheidung habe das britische Parlament als offizielle demokratische Vertretung seines Volkes einen bisher beispiellosen Tabubruch begangen.

Die anderen EU-Staaten forderte der Bischof auf, Großbritannien hart mit den ethischen Konsequenzen der Parlamentsentscheidung zu konfrontieren. Er erkenne als Motiv hinter dem Entscheid „eine absolute Dominanz ökonomischer Interessen und einer Forschungslobby“.

Als Chimären (vom griechischen Wort „chimaira“ für Ziege) werden Lebewesen bezeichnet, die Erbgut von mindestens zwei verschiedenen Arten in sich tragen. Der Begriff stammt aus der griechischen Mythologie und bezeichnete laut Homer ein Feuer speiendes Ungeheuer mit den drei Köpfen eines Löwen, einer Ziege und einer Schlange. Chimären sind zu unterscheiden von transgenen Tieren, denen beispielsweise Teile menschlichen Erbgutes eingepflanzt werden, um dadurch etwa abstoßungsresistente Organe für Transplantationen gewinnen zu können.