Unternehmerische Macht braucht Kategorie der Verantwortung

Diese Werte zielten auf einen umfassenden Begriff von Gerechtigkeit, sagte der Bischof am Dienstagabend in Ellwangen beim Forum "Kirche und Wirtschaft". Ein darauf gründendes Menschenbild bewahre davor, sich selbst oder bestimmte Ideologien für absolut zu erklären. Wirtschaft und Unternehmen könnten sich so davor schützen, ein perfektes Leben durch riesige Renditen oder Lebensglück in ökonomischer Größe suchen zu wollen. Gegen das Abfallen in einen solchen Irrglauben diene das christliche Menschenbild als "kritischer Stachel", so der Rottenburger Bischof.

Zwischen den Gesetzen der Wirtschaft und den religiös-ethischen Maßstäben des Christentums klaffe zunächst ein "garstig breiter Graben", betonte der Bischof in Anspielung auf ein Wort des Philosophen Lessing. Darüber lasse sich nicht einfach eine Brücke schlagen, wohl aber ein produktiver Umweg darum herum schaffen. Christlich-ethische Werte könnten Unternehmern als tragfähige Grundorientierungen dienen, auf deren Basis sich pragmatische Abwägungen und verantwortungsvolle Kompromisse finden ließen. "Macht und unternehmerische Gestaltungskraft sind ohne die Kategorie der Verantwortung nicht denkbar", betonte Bischof Fürst. Er unterstrich, dass der Mensch von Grund auf ein wertebezogenes Wesen sei, das sich mit dieser Anlage entfalten wolle. Potenziale von Mitarbeitern lägen oft brach, weil Unternehmens- und Personalführungen nicht ausreichend Raum zur Entwicklung schüfen.

Der Bischof wies darauf hin, dass der lange Zeit geltende Lehrsatz von der Unüberwindlichkeit des Gegensatzes zwischen Ethik und Ökonomie inzwischen auf breiter Basis kritisch hinterfragt werde. In einem sich rasant ändernden Markt sei der Erfolg von Unternehmen immer mehr von Innovationskraft und Eigenverantwortung aller Mitarbeiter abhängig. Das christliche Menschenbild biete die Chance, diesen Mitarbeitern den nötigen Respekt vor deren unantastbaren Würde und Unverfügbarkeit entgegenzubringen. Die katholische Soziallehre mit ihren Prinzipien der Solidarität, der Personalität und der Subsidiarität könne dazu verlässliche Orientierung geben, so Bischof Fürst.