Verborgener Schatz auf dem Boden der Diözese

Dass das Originalmanuskript der „Versuche über Pflanzen-Hybriden“, die der Augustinermönch Johann Gregor Mendel im Jahr 1865 im Augustinerkloster in Brünn verfasst hatte, sich über 20 Jahre lang in der Verwahrung von Mendels Ordensbruder P. Clemens Richter OSA in Stuttgart-Sillenbuch befand, einem Nachfahren von Mendels älterer Schwester Veronika und langjährigem Mitglied des Augustinerkonvents auf den Fildern, war nur einem eingeweihten Personenkreis bekannt. Dass dieses Dokument von hohem wissenschafts- und kulturgeschichtlichem Rang also in einem Pfarrhaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart deponiert war, wurde auch der Diözese selbst erst bekannt, als es am Donnerstagvormittag, 9. Februar, im Beisein des tschechischen Generalkonsuls in München, Josef Hlobil, und anderer hochrangiger Repräsentanten des tschechischen Staates und des Augustinerordens durch Rechtsanwalt Horst Teller von der Stuttgarter Kanzlei Wahlert dem Abt des Brünner Augustinerklosters, Lukás Evzen Martinec, überreicht wurde. Am Nachmittag 9. Februar gab dann der tschechische Außenminister, Karel Fürst zu Schwarzenberg, dazu in Prag eine Pressekonferenz. Pünktlich zum 190. Geburtstag Mendels am 20. Juli kehrt das Manuskript wieder an seinen Entstehungsort Brünn zurück, wo es im Rahmen einer großen Ausstellung zum dortigen Mendeljahr im Mendel-Museum der Masaryk-Universität der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Der Weg von Mendels Manuskript aus Brünn heraus und wieder dorthin zurück sage viel aus über die Geschichte Mitteleuropas und die gemeinsame Geschichte Tschechiens, Österreichs und Deutschlands, betonte Jiři Čistecký, Direktor der Abteilung Zentraleuropa des tschechischen Außenministeriums. Dass hier ein Kreis wieder geschlossen worden sei, sei wichtig und beispielhaft für einen konstruktiven und versöhnlichen Umgang mit der Geschichte. Als ein „Zeichen der Versöhnung“ betrachtete auch der Regionalvikar des Augustinerordens, P. Dominic Sadrawetz OSA, Wien, die gelungene Rückführung von Mendels Werk. Er hatte gemeinsam mit Rechtsanwalt Horst Teller und der Kanzlei Wahlert unter teilweise großen Schwierigkeiten den Weg dafür geebnet. Seit 2010 befand sich das Manuskript in der Verwahrung der Kanzlei.

Das 48 Seiten umfassende, in gestochener Handschrift geschriebene Manuskript Mendels hat eine bewegte Geschichte. Der am 20. Juli 1822 im österreichisch-schlesischen Heinzendorf bei Odrau geborene Theologe und „Vater der Genetik“ wurde 1843 als Bruder Gregorius in die Augustinerabtei St. Thomas in Brünn aufgenommen und war später deren Abt. Seinen Vortrag über „Versuche mit Pflanzen-Hybriden“ hatte er 1865 vor dem „Naturforschenden Verein in Brünn“ vorgetragen. Obwohl die Arbeit damals publiziert und weit verbreitet wurde, geriet sie in Vergessenheit. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, lange nach Mendels Tod im Jahr 1884, wurde die Bedeutung dieser Forschung erkannt. Hugo Iltis, der Biograph Mendels, hatte das Manuskript damals in einer alten Kiste im Brünner Kloster entdeckt und in seinem 1924 in Berlin erschienenen Buch „Gregor Johann Mendel“ gewürdigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als verschollen, wie so viele Kulturgüter, die in den Kriegswirren untergingen. Wohl im Jahr 1987, also noch zur Zeit der kommunistischen Herrschaft in der damaligen Tschechoslowakei, kam es auf verschlungenen Wegen nach Deutschland und in die Verfügung von P. Clemens Richter. Es heißt, man habe es vor dem Zugriff der Kommunisten retten wollen, in deren ideologisches Menschenbild Mendels Genetik nicht passte.

Als Problem für die Bemühungen des Regionalvikariats des Augustinerordens in Wien um eine Rückführung von Mendels Originalmanuskript an seinen Ursprungsort erwies sich unter anderem, dass dieses in die Liste deutscher Kulturgüter aufgenommen werden sollte und damit nicht mehr außer Landes gebracht werden durfte. Im Laufe der schwierigen Verhandlungen zu dieser Frage hatte sogar der tschechische Außenminister Schwarzenberg die baden-württembergische Landesregierung um Unterstützung gebeten.

Rottenburg/Stuttgart. 9. Februar 2012. Die Mendelschen Vererbungsgesetze kennen die meisten Menschen aus ihrer Schulzeit. Dass das Originalmanuskript der „Versuche über Pflanzen-Hybriden“, die der Augustinermönch Johann Gregor Mendel im Jahr 1865 im Augustinerkloster in Brünn verfasst hatte, sich über 20 Jahre lang in der Verwahrung von Mendels Ordensbruder P. Clemens Richter OSA in Stuttgart-Sillenbuch befand, einem Nachfahren von Mendels älterer Schwester Veronika und langjährigem Mitglied des Augustinerkonvents auf den Fildern, war nur einem eingeweihten Personenkreis bekannt. Dass dieses Dokument von hohem wissenschafts- und kulturgeschichtlichem Rang also in einem Pfarrhaus der Diözese Rottenburg-Stuttgart deponiert war, wurde auch der Diözese selbst erst bekannt, als es am Donnerstagvormittag, 9. Februar, im Beisein des tschechischen Generalkonsuls in München, Josef Hlobil, und anderer hochrangiger Repräsentanten des tschechischen Staates und des Augustinerordens durch Rechtsanwalt Horst Teller von der Stuttgarter Kanzlei Wahlert dem Abt des Brünner Augustinerklosters, Lukás Evzen Martinec, überreicht wurde. Am Nachmittag 9. Februar gab dann der tschechische Außenminister, Karel Fürst zu Schwarzenberg, dazu in Prag eine Pressekonferenz. Pünktlich zum 190. Geburtstag Mendels am 20. Juli kehrt das Manuskript wieder an seinen Entstehungsort Brünn zurück, wo es im Rahmen einer großen Ausstellung zum dortigen Mendeljahr im Mendel-Museum der Masaryk-Universität der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Der Weg von Mendels Manuskript aus Brünn heraus und wieder dorthin zurück sage viel aus über die Geschichte Mitteleuropas und die gemeinsame Geschichte Tschechiens, Österreichs und Deutschlands, betonte Jiři Čistecký, Direktor der Abteilung Zentraleuropa des tschechischen Außenministeriums. Dass hier ein Kreis wieder geschlossen worden sei, sei wichtig und beispielhaft für einen konstruktiven und versöhnlichen Umgang mit der Geschichte. Als ein „Zeichen der Versöhnung“ betrachtete auch der Regionalvikar des Augustinerordens, P. Dominic Sadrawetz OSA, Wien, die gelungene Rückführung von Mendels Werk. Er hatte gemeinsam mit Rechtsanwalt Horst Teller und der Kanzlei Wahlert unter teilweise großen Schwierigkeiten den Weg dafür geebnet. Seit 2010 befand sich das Manuskript in der Verwahrung der Kanzlei.

Das 48 Seiten umfassende, in gestochener Handschrift geschriebene Manuskript Mendels hat eine bewegte Geschichte. Der am 20. Juli 1822 im österreichisch-schlesischen Heinzendorf bei Odrau geborene Theologe und „Vater der Genetik“ wurde 1843 als Bruder Gregorius in die Augustinerabtei St. Thomas in Brünn aufgenommen und war später deren Abt. Seinen Vortrag über „Versuche mit Pflanzen-Hybriden“ hatte er 1865 vor dem „Naturforschenden Verein in Brünn“ vorgetragen. Obwohl die Arbeit damals publiziert und weit verbreitet wurde, geriet sie in Vergessenheit. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts, lange nach Mendels Tod im Jahr 1884, wurde die Bedeutung dieser Forschung erkannt. Hugo Iltis, der Biograph Mendels, hatte das Manuskript damals in einer alten Kiste im Brünner Kloster entdeckt und in seinem 1924 in Berlin erschienenen Buch „Gregor Johann Mendel“ gewürdigt. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als verschollen, wie so viele Kulturgüter, die in den Kriegswirren untergingen. Wohl im Jahr 1987, also noch zur Zeit der kommunistischen Herrschaft in der damaligen Tschechoslowakei, kam es auf verschlungenen Wegen nach Deutschland und in die Verfügung von P. Clemens Richter. Es heißt, man habe es vor dem Zugriff der Kommunisten retten wollen, in deren ideologisches Menschenbild Mendels Genetik nicht passte.

Als Problem für die Bemühungen des Regionalvikariats des Augustinerordens in Wien um eine Rückführung von Mendels Originalmanuskript an seinen Ursprungsort erwies sich unter anderem, dass dieses in die Liste deutscher Kulturgüter aufgenommen werden sollte und damit nicht mehr außer Landes gebracht werden durfte. Im Laufe der schwierigen Verhandlungen zu dieser Frage hatte sogar der tschechische Außenminister Schwarzenberg die baden-württembergische Landesregierung um Unterstützung gebeten.

Dr. Thomas Broch