Vereinte Kräfte für benachteiligte Jugendliche

Im Mittelpunkt standen Praxisbeispiele und der fachliche Austausch zur Begleitung Jugendlicher beim Übergang ins Erwerbsleben. Gastgeber war das Prozessteam Integration der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

„Die Berufswelt ist einer der wichtigsten Orte gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Integration. Zu viele Jugendliche scheitern nach wie vor und trotz vielfältiger Bemühungen am Übergang von der Schule in den Beruf“, erklärte Ordinariatsrat Joachim Drumm, Leiter des diözesanen Prozessteams Integration, zum Hintergrund der Fachtagung. Jeder fünfte 30-jährige Erwachsene und jeder zweite mit Migrationshintergrund hat nach Angaben des vom Land Baden-Württemberg eingesetzten Expertenrat „Herkunft und Bildungserfolg“ keine abgeschlossene Berufsausbildung. Rund 40 Prozent aller Neuzugänge in das Ausbildungsgeschehen münden in Bildungsgänge des sogenannten Übergangssystems ein, die zu keinen beruflichen Abschlüssen führen. Um benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene ins Erwerbsleben und damit in die Gesellschaft zu integrieren, sind Lehrer, Ausbilder, Mitarbeiter der Arbeitsagentur, in- und ausländische Seelsorger, Eltern- und Migrantenvereine sowie Senioren und andere Ehrenamtliche in zahlreichen Initiativen und Projekten im Land aktiv. „Diese Fachleute und Akteure aus der Region Stuttgart haben wir eingeladen, um den Erfahrungsaustausch zu befördern und Best-Practice-Beispiele bekannt zu machen“, erklärte Ordinariatsrat Joachim Drumm, Leiter des diözesanen Prozessteams Integration. Die Sozialbürgermeisterin der Stadt Stuttgart, Isabel Fezer, begrüßte diese Initiative. „Im Interesse einer guten Zukunft unserer Kinder, aber auch im sozialen wie wirtschaftlichen Interesse unserer Stadt und unseres Landes müssen wir die Bildungsanstrengungen verstärken“, betonte sie und forderte die Einrichtung einer entsprechenden regionalen Koordinationsstelle. Die beste Integrationspolitik sei eine gute und gerechte Bildungs-, Arbeits- und Sozialpolitik. Fezer unterstrich, zeitlich befristete, projekthafte Aktivitäten entsprächen nicht mehr der gestiegenen gesellschaftlichen Bedeutung der Fachkräftesicherung durch Ausbildung.

Ordinariatsrätin Irme Stetter-Karp kündigte im Blick auf den Bundestagswahlkampf sozialpolitische Forderungen an. Erforderlich seien ein kohärentes Fördersystem hinsichtlich der staatlichen Hilfen und eine individuelle, bedarfsgerechte und kontinuierliche Begleitung junger Menschen in der „oft fragilen und auch ökonomisch prekären Übergangssituation vom Jugendlichen zum Erwachsenen“. Stetter-Karp plädierte für die bundesweite Einführung einer „assistierten Ausbildung“ in Ergänzung zur dualen Ausbildung. Der katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit IN VIA Deutschland habe dazu das Konzept der „trialen Ausbildung“ entwickelt, welches zusammen mit dem Caritasverband an mehreren Modellstandorten erprobt werde.

Der Integrationsbeauftragte der Stadt Stuttgart, Gari Pavkovic, bestätigte in seinem Impulsreferat, Bildung sei eine Gemeinschaftsaufgabe, notwendig sei eine „Bildungspartnerschaft“ der unterschiedlichen Akteure. Er erläuterte, „die tradierte Aufteilung, dass ein Grossteil des sozialen und praktischen Lernens in der Familie stattfindet und die Schule vor allem das Fachwissen vermittelt, funktioniert aus vielen Gründen nicht mehr.“ Herkunftsbedingte Benachteiligungen würden beim Übergang von der Schule ins Berufsleben seitens der Wirtschaft als mangelnde Ausbildungsreife wahrgenommen. Damit alle Jugendlichen ihren Fähigkeiten und Leistungen entsprechend den bestmöglichen Bildungsabschluss erreichen können, müssten die Bildungsinstitutionen diese Defizite weitgehend ausgeglichen. „Dies können sie nur leisten, indem sie die Qualität ihrer Angebote verbessern, was vielfach bedeutet, dass sie im Sinne einer Bildungspartnerschaft mit weiteren Bildungsakteuren zusammenarbeiten.“

Information:

Das Prozessteam Integration wurde 2008 von der Diözese Rottenburg-Stuttgart eingerichtet, um das Anliegen der Integration ressortübergreifend als Querschnittaufgabe in der kirchlichen Arbeit zu verankern. Ein Beirat berät das Team, zeigt Handlungsoptionen und unterstützt praktische Umsetzungsschritte.


Zwölf Initiativen stellten bei der Fachtagung ihre praktische Integrationsarbeit vor:
• STARTklar (Stuttgart)
• Bildungspatenschaften – Netzwerkbildende Plattform (Stuttgart)
• Ağabey-Abla – Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart e.V.
• Schülermentorenprogramm – BDKJ
• Freunde schaffen Erfolg – Caritasverband Stuttgart
• Train – finde Deine Spur – Göppingen, Caritas Fils-Neckar-Alb
• Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit KiZ – Kirchheim/Teck
• In Via Mädchentreff – Stuttgart
• Ausbildungschance – Für eine Ausbildung nach der Berufsvorbereitung – Caritasverband Stuttgart
• Kooperation Förderschule – Berufsbildungswerk Waiblingen
• Hauptschule (Werkrealschule) Ostheim – Integrationsarbeit an der Schule
• Jugend für Jugend – Ludwigsburg, Caritas-Region Ludwigsburg-Waiblingen-Enz