„Verkündigung statt Faltenwurf“

Es gibt eine Sonderausstellung im Museum („Glaubenshorizonte – Sammlungshorizonte“), einen frisch gedruckten Bestandskatalog mit über 500 Seiten und eine Vortragsreihe zur Kunst des späten Mittelalters mit renommierten Referenten.

Am Donnerstag (27. September) stellten Direktor Wolfgang Urban und seine Kollegin Melanie Prange das fürs Jubiläum vorbereitete Museum und dessen Geschichte Journalisten vor. Gegründet wurde es 1862, nach Paderborn und Freising ist es das drittälteste Diözesanmuseum in Deutschland. Urban betonte, die handwerklich-künstlerische Ausführung der 3.000 Objekte im Besitz des Museums errege zwar Interesse; wesentlich aber sei nicht etwa der Faltenwurf im Gewand einer Madonna oder einer anderen Heiligen, sondern „ die theologische Aussage und die spürbare Kraft der Verkündigung in Bildern und Plastiken“.

Die Devise des früheren Rottenburger Bischofs Paul-Wilhelm von Keppler war klar: Das Diözesanmuseum, damals im ehemaligen Jesuitenkolleg in der Stadtmitte, habe lebendig Kultur, Kunst und Geschichte zu vermitteln. „Nicht todte Schätze sollen in den durch bischöfliche Gnade angewiesenen, gut gelegenen und günstig beleuchteten Räumen aufgestapelt werden“, schrieb Keppler 1894, vom damals amtierenden Bischof Wilhelm von Reiser mit Erweiterung und Neukonzeption des 1862 gegründeten Museums beauftragt. Der Musentempel solle keine „Todtenkammer alter Kunst“ sein.

Heute steht das Museum der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Kunstschätzen üppig bestückt da, seit 1996 untergebracht in der umgebauten Karmelitenkirche am Neckar. 150 Jahre nach der Gründung 1862 gibt es in der württembergischen Diözese Grund also zum Feiern, zu Rück- und Ausblick. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: eine von Kunsthistorikerin Melanie Prange und Diözesankonservator Wolfgang Urban konzipierte Sonderausstellung mit dem Titel „Glaubenshorizonte ¬- Sammlungshorizonte“ wird es geben, ein Bestandskatalog der Gemälde und Skulpturen aus der Zeit zwischen 1250 und 1550 sowie eine Vortragsreihe stehen auf dem Programm – und schließlich wird am 3. Oktober ein Festakt mit Bischof Gebhard Fürst stattfinden.

Für die württembergische Diözese stellt das Museum einen Ort der Selbstvergewisserung und Identitätsfindung dar. Schließlich musste sie im Zuge der napoleonischen Neuordnung Europas nach dem Niedergang des riesigen Bistums Konstanz erst einmal zu sich finden. Mehrere bedeutende Persönlichkeiten führten zur Blüte des Museums, das zu den ersten seiner Art in Deutschland überhaupt gehört und über einen Gesamtbestand von rund 3.000 Objekten verfügt. Davon sind 500 in der Dauerausstellung zu sehen, darunter einige von europäischem Rang.

Die Wurzeln des Museums liegen in Wurmlingen bei Tuttlingen. Dort hatte der Pfarrer und Dekan Georg Martin Dursch bereits seit 1835 Bilder und vor allem Skulpturen gesammelt und sie später im Wurmlinger Kapuzinerkloster ausgestellt. Dank König Wilhelms I. massiven finanziellen Einsatzes konnte die immer staatlicher gewordene Sammlung Dursch schließlich in die Rottweiler Lorenzkapelle gelangen.

Durschs Leidenschaft entzündete dessen Tübinger Professor, Pastoraltheologe und einer der bedeutendsten katholischen Theologen des 19. Jahrhunderts überhaupt, Johann Baptist Hirscher. Er selbst trug drei große Sammlungen zusammen, von denen Exponate bis heute in Museen in Berlin, Stuttgart, Karlsruhe und Nürnberg zu sehen sind. 1862 erwarb der damalige Rottenburger Bischof Josef von Lipp 62 Gemälde der Sammlung und neun Skulpturen für seinen Privatbesitz: Geburtsstunde des Diözesanmuseums, damals untergebracht im ehemaligen Jesuitenkolleg. Zwei Jahre später vermachte Lipp seine Sammlung offiziell dem Bistum.

Längst hat das Rottenburger Diözesanmuseum, 1996 zusammen mit der Diözesanbibliothek umgezogen in die ehemalige Karmelitenkirche, einen national und international wohl klingenden Namen. Bedeutende Ausstellungen waren dort bereits zu sehen, eine große über Martin von Tours 1999 oder unter dem Titel „Glanz des Himmels – mediterrane Wege christlicher Ikonen“ 2005 eine Ausstellung von Ikonen aus dem Nationalmuseum in Belgrad. Wichtige Rottenburger Exponate wiederum wie zwei Tafeln des Gutenzeller Altars (um 1460) wurden zuletzt in Brügge gezeigt; andere kostbare Stücke waren an große Ausstellungen in Deutschland wie auch unter anderem nach Lüttich, Illegio (Friaul) oder an den Vatikan ausgeliehen.

Kontakt: Wolfgang Urban M.A., Direktor des Diözesanmuseums von Rottenburg-Stuttgart, Telefon 07472-922-180, Email wurban(at)bo.drs.de