„Versöhnung kann gefährlich werden“

Versöhnung setze voraus, „wahrzunehmen, was geschehen ist, was unheil ist und was so nicht bleiben darf“, betonte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Samstag in Ellwangen bei der Bundesversammlung der Ackermann-Gemeinde. Dieser Dienst der Versöhnung könne „bedrängende, gefährliche, ja bedrohliche Seiten“ haben. Der Ackermann-Gemeinde sei es in christlicher Grundhaltung gelungen, Brücken zu bauen mit Mut zur Wahrhaftigkeit, mit Hinsehen und Hinstehen. „Versöhnung kann nicht gelingen, wo verdrängt wird, was versöhnungsbedürftig ist“, unterstrich Bischof Fürst.

Der christliche Glaube gibt nach den Worten des Bischofs Kraft für die Zumutung „hinzuschauen, wahrzunehmen und unheile Verhältnisse aufzudecken“. Diese Kraft zum Brückenschlagen komme aus der frohen Botschaft, dass in all diesen Zumutungen und Mühen letztlich „die versöhnende Zuwendung Gottes geschieht“. Die Ackermann-Gemeinde habe mit ihren Schritten zur Versöhnung über Jahrzehnte hinweg „auch ein anstiftendes Beispiel für die kommenden Generationen gegeben“, sagte Bischof Fürst.

Die Ackermann-Gemeinde wurde 1946 als Zusammenschlussvertriebener Katholiken aus Böhmen, Mähren und Schlesien gegründet. Sie engagiert sich in der Versöhnungs- und
Partnerschaftsarbeit in der Tschechischen und der Slowakischen Republik. Benannt ist die Landsmannschaft nach dem von Johann von Saaz 1399 im Kloster Tepl geschriebenen „Ackermann aus Böhmen" über den Sinn von Leben und Tod, die erste größere Dichtung der deutschen Renaissance.