Vertrauen in menschliche Vernunft

Rottenburg/Biberach. 10. Februar 2015.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart gedenkt ihres großen Moraltheologen Alfons Auer. Er kam vor 100 Jahren, am 12. Februar 1915, in Schönebürg bei Biberach zur Welt. Der am 19. November 2005 in Tübingen verstorbene Professor machte sich über Deutschland hinaus einen Namen als Begründer der sogenannten Autonomen Moral. Diese Lehre legte er in seiner jahrelang umstrittenen Schrift „Autonome Moral und christlicher Glaube“ dar. Sie bedeutet eine Zäsur in der Theologiegeschichte, indem sie der Vernunft in Fragen der christlichen Sittenlehre eine entscheidende Rolle einräumt. Heute gilt Auers Autonome Moral als Standardwerk der modernen Moraltheologie.

„Alfons Auer war ein bedeutender und autonomer Denker, getragen von einer Frömmigkeit, die Gott und den Menschen nah war“, würdigte Bischof Fürst den 1939 zum Priester geweihten Professor, der nach zehn Jahren in Würzburg von 1966 bis 1981 in seiner Heimatdiözese an der Universität Tübingen lehrte. Auer, der von 1951 bis 1953 Gründungsdirektor der Akademie der Diözese war, prägte dem Bischof zufolge viele Theologen mit seinem Denken und seiner Dialogkultur. Die positive Sicht des Oberschwaben auf Mensch und Schöpfung habe ihn vor Zukunftsangst und Pessimismus bewahrt. Freundlich und überzeugt kirchlich habe Auer ausgestrahlt, „was in seiner wissenschaftlichen Arbeit zum Ausdruck kam, dass Gottes Schöpfung gut ist und ein gutes Ende nehmen wird“.

Das Heimatdekanat des Moraltheologen richtet 2015 ein Alfons-Auer-Jahr aus. Den Auftakt im Biberacher Dekanatshaus, das seit 2007 Alfons-Auer-Haus heißt, veranstaltet am 22. Februar (Sonntag) eine Lesung mit Texten, die Auer zwischen 1960 und 1990 schrieb. Hinweis: Näheres zum Auer-Jahr im Internet unter http://dekanat-biberach.drs.de und im Anhang.