Vision eines befreiten Lebens

Bischof Fürst feierte den Gottesdienst gemeinsam mit dem Landesbischof der Evangelischen Kirche in Baden, Ulrich Fischer. Die bekannte Aufforderung Jesu, von den Lilien auf dem Feld und von den Vögeln des Himmels zu lernen, sei die „Vision eines anderen, durchaus möglichen Lebens“. Die Bilder der Vögel und der Lilien wiesen auf unverzichtbare Dimensionen des Lebens hin, so der Bischof. Von den Vögeln sei die Leichtigkeit des Lebens zu lernen; sie wiesen aber auch auf die Transzendenz hin, auf ein Hinausragen aus dem Alltag. Lilien symbolisierten dagegen Verwurzelung und Blühen. Es gehe darum, verwurzelt zu sein, aber nicht ängstlich am Boden zu kleben. Ebenso brauche es ein Vertrauen darauf, dass die Realitäten, mit denen man sich zu oft und zu früh arrangiere, nicht alles seien. Die Lilien ebenso wie die Vögel „kaufen nicht, produzieren nicht, besitzen nichts und doch – vielleicht gerade deshalb -, sind sie frei, ungezwungen und von einzigartiger Schönheit“, interpretierte der Bischofs das biblische Bild.

Das Bibelwort von den Vögel und den Lilien bedeute für die Sorgen und Pläne der Menschen eine heilsame Relativierung, betonte Bischof Fürst. Es gehe darum, in Beziehung zu Gott zu leben und damit der eigenen Existenz einen rettenden Bezugspunkt zu geben. Der Mensch sei immer größer als die Gesetze, die ihn beherrschen. Jesus sprenge die vermeintlich wichtigen Rangordnungen des alltäglichen Lebens, so der Bischof. „Macht euch doch nicht kleiner als Gott euch gemeint hat“, sei seine Aufforderung. Nicht Kleidung, Outfit, Besitz und der Druck immer mehr zu haben, seien das Erste. Die neue Rangordnung bei Jesus heiße: zuerst der Mensch und sein Leben; alles Haben und Besitzen seien nachgeordnet. Die Meinung alles machen zu können und machen zu müssen, mache die Menschen krank. „Menschen, die im Vertrauen in die Treue Gottes leben, leben anders“, sagte Bischof Fürst.

Es gehe heute aber auch um das Verhalten gegenüber den Lilien, die in ihrer Schönheit Inbegriff von Gottes Schöpfung seien. Gottes Geist dränge Christen zu einem schöpfungsgerechten und schöpfungsfreundlichen Handeln. Es gehe darum, für das Leben aufzustehen, wo es bedroht und geschändet werde. Ebenso müsse man aber auch bewusst Verantwortung für die Schöpfung übernehmen und sorgsam mit ihr umgehen. Bischof Fürst wörtlich: „Christen sollten sich von niemandem übertreffen lassen, wenn es darum geht, den Garten der Schöpfung zu erhalten und zu pflegen.“

Dr. Thomas Broch