Vitale Lebensader der Caritas in der Diözese

Dies hat die für Caritasfragen zuständige Ordinariatsrätin, Irme Stetter-Karp, am Donnerstag im Stuttgarter Neuen Schloss zur Eröffnungsfeier anlässlich des 150-jährigen Bestehens des in Oberschwaben beheimateten Frauenordens betont. Die soziale Arbeit der Kirchen, so Stetter-Karp, vollziehe sich heute in Deutschland in einer Situation, in der Lebensrisiken zunehmend privatisiert würden, wo Reichtum und Armut gleichzeitig zunähmen und der Sozialstaat immer stärker von neoliberalem Gedankengut und Marktideologie geprägt würde als durch Personalität, Solidarität und Subsidiarität, die Eckpfeiler der Katholischen Soziallehre. „In Zeiten wie diesen sind Frauen gefragt, die eine zupackende Hand und einen liebenden Blick, die Bodenständigkeit und Gelassenheit im Glauben klug und mit Herzensliebe zu verbinden wissen“, bestätigte Stetter-Karp den Barmherzigen Schwestern, wie sich die Vinzentinerinnen nennen, zu deren Jubiläum. Die Ordinariatsrätin dankte den Schwestern im Namen von Bischof Gebhard Fürst für „abertausende Stunden mit Antennen der Liebe“ in der Sorge für Menschen in Not in Deutschland und weltweit sowie für die bewährte Zusammenarbeit und die Verantwortung, die die Kongregation an vielen Orten in der Diözese übernommen hat. Ohne deren 150-jährigen Dienst für Arme, Kranke und Pflegebedürftige, aber auch für Kinder und Jugendliche wäre die Caritas in der Diözese Rottenburg-Stuttgart „einer vitalen Lebensader beraubt“, sagte Stetter-Karp. Sie wies auch darauf hin, dass die Untermarchtaler Vinzentinerinnen von den Nationalsozialisten als „politisch unzuverlässig“ und „gesinnungsmäßig lebensfeindlich“ betrachtet und teilweise enteignet worden seien.

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Der Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern mit Sitz in Untermarchtal gehören heute 446 Schwestern in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und 189 Schwestern in Tansania an. Die Schwestern und rund 4.500 Mitarbeitende sind in 39 Schwesternstationen und Einrichtungen, 18 Missionsstationen in Tansania und drei großen Tochtergesellschaften tätig. Ihren Anfang nahm die Gemeinschaft mit vier Barmherzigen Schwestern der Straßburger Kongregation, die im Jahr 1852 auf Bitten der Armenkommission von Schwäbisch Gmünd den Dienst im dortigen Spital aufnahmen. Bereits sechs Jahre später, am 2. Juli 1858, konnte in Schwäbisch Gmünd das erste Mutterhaus mit 54 Schwestern eröffnet werden. In der Folge verzeichnete die Gemeinschaft ein rasches Wachstum, in Entsprechung zu der Fülle sozial-karitativer Aufgaben, die an sie herangetragen wurden. Unter den Aktivitäten am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind zu nennen der Bau des Marienhospitals in Stuttgart, der Ausbau der psychiatrischen Klinik Rottenmünster bei Rottweil, der Kauf des Thermalbads in Ditzenbach und zahlreiche Einrichtungen in der Behinderten-, in der Kinder- und Jugendbetreuung sowie in der Altenpflege. Auch die Verantwortung für die Hauswirtschaft in bischöflichen Seminaren gehörte über Jahrzehnte hinweg zu ihren Aufgaben. Im Jahr 1960 brachen vier Schwestern nach Afrika auf; heute ist die Gemeinschaft an 18 Orten in Tansania in der Betreuung von AIDS-Waisen, behinderten und gehörlosen Kindern sowie in der Kindergartenarbeit tätig, ebenso im Armendienst, in der Gesundheits- und Krankenpflege und in der Frauenbildung.
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Die Untermarchtaler Vinzentinerinnen, deren Gemeinschaft auf die Ordensgründer Vinzenz von Paul und Louise von Marillac zurückgeht, haben ihr Jubiläum unter den Leitgedanken gestellt: „Liebe sei Tat.“ Zu den Aktivitäten des Jubiläumsjahrs gehören unter anderem eine Wanderausstellung „Mit dem Herzen sehen“, die an sechs Orten in Baden-Württemberg präsentiert wird, unter dem Titel „Aktion Seitenwechsel“ eine Einladung an Prominente, einen Tag in den Einrichtungen des Ordens mitzuarbeiten sowie ein individuell ausgerichteter Aktionstag der Einrichtungen unter dem Motto „150 Jahre Liebe sei Tat“. Am 2. Juli 2008, dem Gründungstag des ersten Mutterhauses vor 150 Jahren, findet in Untermarchtal ein Festakt statt.