Vom christlichen Geist des Dienens

Den Auftakt macht Johannes Kreidler, Weihbischof in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für den Ständigen Diakonat. Er stellt Jesus selbst als Urbild des Diakons vor und entfaltet daraus Strukturen einer diakonischen Spiritualität. Sie schließe „religiöse Schaumbäder“ aus; Christus verbiete, dass eine Religion in seinem Namen nur zum vergnüglichen und ästhetischen Erlebnis werde. Diakonie sei „manchmal das einzige Zeugnis, das von denen, die tatsächlich ganz unten sind, verstanden und angenommen wird“. Einen im vergangenen Jahr im katholischen Hospiz St. Martin in Stuttgart gehaltenen Vortrag „Spiritualität ‚am Ende’“ widmete der Tübinger Pastoraltheologe Ottmar Fuchs dem Jubilar, Herausgeber Kießling überschrieb seinen Beitrag „Spiritualität der Stellvertretung“ und spricht unter anderem von einer „Mystik der zupackenden Hände“.

Unter der Rubrik Ausbildung gibt der Referent für die Ausbildung der Diakone im Bistum Osnabrück, Stefan Sander, Impulse für ein erbarmendes Handeln an außerordentlichen Menschen an außerordentlichen Orten. „Der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“ ist Sanders Beitrag überschrieben. Georg Lorleberg, im Rottenburger Personalreferat zuständig für die Diakone und wiederum Klaus Kießling vervollständigen zusammen mit Irmgard und Peter Abel das Feld Ausbildung. Er leitet die Ausbildung der Ständigen Diakone im Bistum Hildesheim, sie ist als Theologin und Pädagogin erfahrene Kursleiterin auf diesem Gebiet.

Aus der Praxis erzählt in dem Geburtstagsband der Tübinger Religionspädagoge und Diakon Albert Biesinger, der Diakon sein als „Karriere nach unten“ beschreibt. Wolfgang Stockburger, der in Friedrichshafen am Bodensee als katholischer Diakon im Auftrag der Stadt die Armenfürsorge verantwortet, motiviert in seinem Beitrag „Arme habt ihr allezeit“, barmherzig hinter Gesichter und Fassaden der Konvention zu sehen. Und er mahnt zu politischem Engagement in christlichem Geist für Gerechtigkeit, das bürgerliches Wohlbefinden auch in kirchlichem Milieu stört. Beiträge der Caritas-experten Franz-Josef Scholz, Wolfgang Tripp und Joachim Reber zum diakonischen Profil in Einrichtungen der verbandlichen Caritas schließen sich an; Klaus-Jürgen Kauß, langjähriger ehemaliger Geschäftsführer des Internationalen Diakonatszentrums (IDZ), öffnet den Blick auf die Weltkirche, in der Diakone „Scharniermenschen“ sein sollen. Den letzten Beitrag liefert Terttu Kyllikki Pohjolainen, Diakonin der finnisch-lutherischen Kirche und Mitglied der IDZ-Delegiertenversammlung. „Ich lobe mein diakonisches Amt“, heißt ihr Beitrag zum Geburtstagbuch für Godehard König.

Hinweis: Diakonische Spiritualität: Beiträge aus Wissenschaft, Ausbildung und Praxis. Für Godehard König. Herausgegeben von Klaus Kießling, Lit Verlag, Münster, 2009, 160 Seiten, ISBN 9783825817022, Euro19,90.