Vom Leben und vom Sterben

Auf 49 je einen Quadratmeter großen Tafeln sind dort bis 20. Dezember im Haus der katholischen Kirche Schwarzweiß-Bilder von sterbenden und verstorbenen Menschen zu sehen. Der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, eröffnete die Ausstellung mit Gedanken zum Umgang mit Sterben und Tod. Getragen wird die Präsentation von den Bereichen Erwachsenenbildung der beiden großen Kirchen in Baden-Württemberg und der Evangelisch-methodistischen Kirche. Der Fotograf Walter Schels machte für die bereits an mehreren Orten weltweit gezeigte Ausstellung in Hospizen Aufnahmen von Menschen am Lebensende und nach ihrem letzten Atemzug. Die Journalistin Beate Lakotta dokumentierte Gespräche mit den Sterbenden.

Bischof Fürst sagte bei der Vernissage, die Bilder seien eine bewegende Hommage an die Hospizbewegung in Deutschland. Zum Umgang mit der Vergänglichkeit des Menschen stellte er fest, ein zeitgenössisches „Selbstmachertum“ habe auch hier Platz gegriffen und die Begegnung mit Sterben und Tod werde ausgegrenzt. Damit könne eine in früheren Zeiten kultivierte „Kunst des Sterbens“, eine ars moriendi, nicht mehr eingeübt werden. „Das sicherste Datum des Lebens entschwindet.“ Zur Kunst, Sterben zu lernen, gehöre aber die Kunst, leben zu lernen, hob der Bischof hervor. Die Geschichte des Christentums mit dem Mensch gewordenen Gott gebe dazu Hoffnung und Zuversicht. Christen könnten Hoffnung auf das „Geschenk letztlichen Glückens, endgültigen Heiles“ haben. Der Titel der Ausstellung „Noch mal leben“ ziele dabei nicht auf eine bloße Verlängerung des irdischen Lebens über den Tod hinaus, sondern werde zur Erinnerung, zum „memento mori“ daran, dass Verdichtung Leben, Sterben und Tod heilsam verändere. Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, beendet die Ausstellung am 20. Dezember mit einem Vortrag „Vom Geboren werden und Sterben müssen“.

Zu der mehrfach ausgezeichneten Ausstellung gibt es einen mit dem Deutschen Fotobuchpreis gewürdigten Band von Schels/Lakotta „Noch mal Leben vor dem Tod – wenn Menschen sterben“. In Stuttgart haben die Organisatoren ein von der Landesstiftung Baden-Württemberg unterstütztes Begleitprogramm mit wissenschaftlichen, kulturellen und spirituellen Veranstaltungen geplant. Es werden Führungen für Erwachsene und Schulklassen angeboten. Es handelt sich dabei um ein Angebot der Landesstiftung im Rahmen ihres Programms „Neue Brücken bauen …. zwischen Generationen, Kulturen und Institutionen“. Die Ausstellung insgesamt wird getragen von der „Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg“ (Kilag). Deren Vorsitzender Lothar Elsner sagte, die Ausstellung greife ein zentrales Thema der kirchlichen Erwachsenenbildung auf. Menschen fänden ein „sinnvolles und gelingendes Leben gerade dann, wenn sie sich den Grenzen und den Fragen nach ihrem Woher und Wohin stellen". In der Kilag zusammengeschlossen sind die Institutionen für Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, der Erzdiözese Freiburg, der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Die Ausstellung ist täglich geöffnet von 9:30 bis 20 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr.
www.noch-mal-leben-stuttgart.de.

Uwe Renz